166 km im Dauerregen – Great Ocean Road und zurück nach Anglesea
Heute Morgen wachte ich auf und hörte sofort das Prasseln des Regens auf meinem Zelt. Für diese lange Etappe hatte ich mir den Wecker auf 6:00 Uhr gestellt – Sonnenaufgang war gegen 6:50 Uhr. Doch statt Morgenlicht erwartete mich grauer Himmel und Dauerregen.
Ich packte mein Zelt im Nassen zusammen und stellte schnell fest: Ich hatte mich beim Essen komplett verkalkuliert. Zum Frühstück gab es nur noch eine Banane und zwei Scheiben Toastbrot. Laut Google Maps sollte in 30 km ein Supermarkt kommen – darauf setzte ich meine Hoffnung.
Zuerst nutzte ich noch die Chance, mir einige Aussichtspunkte rund um die Loch Ard Gorge anzuschauen. Trotz Regen waren die Felsformationen beeindruckend – vom Meer geformt, zerklüftet, mit intensiven Farben. Kurz darauf ging es weiter zu den Zwölf Apostel, die selbst im grauen Wetter eine unglaubliche Wirkung hatten.
Doch dann begann der harte Teil des Tages: Es ging hinein in den Regenwald – und vor allem nach oben. Der angebliche Supermarkt entpuppte sich als geschlossen und leer. Kein Essen, kein Nachschub. Mit leerem Magen musste ich weiter.
Im Dauerregen kämpfte ich mich Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Unter der Regenjacke war ich vom Schweiß nass, von außen vom Regen – komplett durchnässt. Irgendwann erreichte ich endlich Lavers Hill. In einem kleinen Kiosk fand ich zumindest Kekse und ein Softdrink – für stolze 19 Dollar. Absolut überteuert, aber in diesem Moment alternativlos.
Mit etwas Energie im Körper ging es weiter durch den nassen, mystischen Regenwald. Die Szenerie hatte etwas Magisches, auch wenn ich mir bei dem Wetter definitiv etwas anderes gewünscht hätte.
Nach vielen Anstiegen und Abfahrten erreichte ich schließlich Apollo Bay. Dort gab es endlich wieder einen richtigen Supermarkt, in dem ich zu normalen Preisen einkaufen konnte. Ich machte eine Pause, blickte aufs Meer – und für einen kurzen Moment hörte der Regen sogar auf.
Doch natürlich nicht lange.
Die letzten Kilometer führten mich entlang der Küste – hügelig, windig und wieder im Regen. Immerhin bot die Strecke traumhafte Ausblicke auf Buchten und Strände, eine willkommene Abwechslung zum dichten Regenwald zuvor.
Unterwegs entdeckte ich noch einen Gelbhaubenkakadu, der ganz entspannt auf einer Stromleitung saß. Diese Tiere sind nicht nur wunderschön, sondern auch unglaublich neugierig und laut – typisch für die faszinierende Vogelwelt Australiens.
Die letzten 70 km zogen sich dann noch einmal ordentlich. Regen, Wind, Müdigkeit – alles kam zusammen. Doch schließlich erreichte ich nach 166 km und knapp 2000 Höhenmetern völlig erschöpft Anglesea.
Bei Craig angekommen, konnte ich endlich eine warme Dusche genießen, mich aufwärmen und durchatmen. Nach diesem extrem fordernden Tag fiel ich müde, aber glücklich ins Bett – dankbar, wieder an einem warmen und trockenen Ort zu sein.














