Über den höchsten asphaltierten Pass bis an die Seen von Wānaka
Am Morgen startete ich vom Hostel aus in den Tag. Es war noch frisch, dennoch verzichtete ich bewusst auf lange Kleidung – ich wusste, dass schon nach wenigen Kilometern ein langer Anstieg auf mich wartete.
Zunächst fuhr ich rund 20 Kilometer aus dem Stadtgetümmel von Queenstown hinaus, entlang der Zwillingsflüsse Kawarau und Arrow. Dann erreichte ich den Beginn des großen Anstiegs: eine weniger befahrene Route mit spektakulärer Aussicht – zugleich die höchste asphaltierte Straße Neuseelands, der Crown Range Pass.
Vor mir lagen 750 Höhenmeter auf etwa 10 Kilometern. Der Anstieg war gleichmäßig steil und entsprechend fordernd. Doch mit jedem Meter eröffnete sich ein weiter Blick zurück auf die Berglandschaft rund um Queenstown.
Oben auf einer kleinen Hochebene veränderte sich die Szenerie schlagartig: Weite, goldene Hänge, bunte Felder und markante Bergketten bestimmten das Bild. Als ich mich schließlich auf 1.080 Metern Höhe bis zum Pass hinaufgearbeitet hatte, wurde es deutlich kälter. Ich zog mehrere Schichten über, unterhielt mich kurz mit zwei amerikanischen Radreisenden, die ebenfalls den Anstieg gemeistert hatten, und machte mich dann bald an die Abfahrt – zu frisch war es dort oben.
Die Abfahrt in Richtung Wānaka war landschaftlich faszinierend. Hinter nahezu jeder Kurve boten die Felsen links und rechts ein neues Panorama.
Unterwegs legte ich eine Pause an dem berühmten „BH-Zaun“ ein – einer Installation mit zahlreichen BHs, die symbolisch mit der Frauenrechtsbewegung in Verbindung gebracht wird. Ein ungewöhnlicher, aber eindrücklicher Anblick.
Hinter Wānaka kaufte ich in einem Supermarkt meine wichtigsten Vorräte ein und setzte meinen Weg über eine kleinere Gravel-Strecke zum Lake Hāwea fort. Entlang des Sees folgten weitere kleine Hügel und Anstiege, die sich jedoch gut fahren ließen.
An einem Aussichtspunkt, an dem ich kurz fotografierte, kam ich mit einer älteren Australierin ins Gespräch. Sie fragte mich besorgt, ob es nicht gefährlich sei, hier mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Ich erklärte ihr, dass man aufmerksam fahren müsse, viel vorausschauend denkt und letztlich auch auf gesunden Menschenverstand vertraut. Wir unterhielten uns noch eine Weile über meine Reise – am Ende wünschte sie mir von Herzen, dass ich meinen Weg weitergehen und genau das tun solle, was ich liebe. Solche Begegnungen bleiben im Gedächtnis.
Wenig später erreichte ich den Lake Wānaka. Auch hier fuhr ich ein Stück am Ufer entlang, bis ich einen wunderschönen, ruhigen Schlafplatz fand.
Da ich mich unbedingt waschen wollte, ging ich für einen kurzen Moment ins eiskalte Wasser. Es kostete Überwindung, doch ich nutzte die Gelegenheit, um mir Haare und Körper zu reinigen. Anschließend zog ich mich warm an und setzte mich in die letzten Sonnenstrahlen hinter den Bergen, um wieder etwas Wärme zu tanken.
Zum Abendessen gab es – ganz klassisch – Nudeln mit Pesto sowie Banane, Apfel und Erdnüsse. Danach folgte meine gewohnte Abendroutine, bevor ich zufrieden und angenehm erschöpft in meinen Schlafsack kroch.















