Tag
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Magische Momente auf Stewart Island

Am Morgen hatte ich zunächst einige organisatorische Dinge zu erledigen. Da mein Zimmer für die kommende Nacht nicht mehr verfügbar war – das Hostel war komplett ausgebucht – brachte ich meine Fahrradtaschen in den Aufbewahrungsraum.

Anschließend schaute ich bei einem Fahrradverleih vorbei, um mich über mögliche Routen auf der Insel zu informieren. Viel Auswahl gab es allerdings nicht, denn auf Stewart Island existieren nur etwas mehr als 20 Kilometer Straße. Dennoch bekam ich ein paar hilfreiche Tipps.

Als Nächstes organisierte ich mir einen größeren Wanderrucksack, da ich für die kommenden zwei Tage den Rakiura Track geplant hatte. Auch das funktionierte problemlos – ich sollte später vorbeikommen, um ihn abzuholen.

Nachdem alles geregelt war, ging ich zur Golden Bay. Bereits am Vorabend hatte ich mir ein Wassertaxi gebucht, das mich zur idyllischen Vogelinsel Ulva Island bringen sollte. Nur fünf Minuten später stand ich auf dieser nahezu unberührten, naturbelassenen Insel – und spürte sofort, wie besonders dieser Ort ist.

Schon nach wenigen Metern wurde klar, welch unglaubliche Vogelvielfalt hier herrscht. Ich lief die komplette Rundtour und war fasziniert, wie viele – und vor allem wie zutrauliche – Vögel ich beobachten konnte. Die Nähe zur Natur fühlte sich intensiv und beinahe magisch an. Insgesamt verbrachte ich viereinhalb Stunden auf der Insel, bevor es mit dem Wassertaxi zurück zur Golden Bay ging.

Zurück in Oban lief ich zum Hostel, schnappte mir mein Fahrrad und erkundete die kleinen Straßen der Insel. Ich fuhr zu wunderschönen Stränden, einsamen Buchten und Aussichtspunkten – manchmal über sehr matschige Wege. Als ich zurückkam, baute ich mein Zelt auf der Wiese beim Hostel auf.

Später traf ich Sylvain und Caroline, zwei Franzosen, die ich zuvor auf Ulva Island kennengelernt hatte und die ebenfalls im Hostel wohnten. Gemeinsam gingen wir in den einzigen kleinen Pub des Ortes, bestellten uns ein Bier und unterhielten uns angeregt. Kurz bevor der Supermarkt schloss, kaufte ich noch Proviant für meine bevorstehende Wanderung.

Zurück im Hostel kochten wir zusammen Pasta und spielten eine Runde Kniffel. Doch der Tag war noch nicht zu Ende.

Als es dunkel wurde, zogen wir mit Rotlichtlampen los – auf der Suche nach dem Nationalvogel Neuseelands, dem Kiwi. Man hatte uns gesagt, dass es Geduld braucht, aber mit etwas Glück sei es möglich. Ein paar Einheimische gaben uns Tipps zu guten Stellen, und so streiften wir – gemeinsam mit anderen Suchenden – durch Felder und Wälder. Es fühlte sich an, als würden wir nachts auf Schatzsuche gehen.

Nach zweieinhalb Stunden ohne Sichtung wollten wir fast schon aufgeben. Doch plötzlich – nur etwa einen halben Meter vor uns – stand er da: ein Kiwi. Eine echte Sensation.

Wir genossen diesen Moment in ehrfürchtiger Stille. Ich konnte sogar ein paar Fotos und Videos machen. Dieser Vogel wirkt beinahe unwirklich – nachtaktiv, mit seinem langen Schnabel tastet er den Boden nach Würmern ab. Ihn in freier Wildbahn zu sehen, war etwas ganz Besonderes.

Als der Kiwi wieder im Dunkel verschwand, kroch langsam die Kälte in unsere Kleidung, und wir machten uns auf den Rückweg. Zurück im Hostel ging jeder in sein Bett. Ich schlüpfte in mein Zelt und schlief schnell ein.

Es war ein langer Tag voller Eindrücke – zu Fuß, mit dem Fahrrad und schließlich nachts im Schein der Rotlichtlampen. Ein Tag, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.