Abschied, steile Anstiege und ein kaputter Bremsbelag
Am Morgen stand ich früh auf, bereitete mein Frühstück zu und packte mein Fahrrad. Mit großer Dankbarkeit verabschiedete ich mich von meinen Gastgebern, die mich in den vergangenen Tagen so herzlich aufgenommen und umsorgt hatten. Es war eine besondere Zeit gewesen – umso schwerer fiel der Abschied.
Bevor ich mich endgültig Richtung Süden aufmachte, gaben sie mir noch den Tipp, eine Runde über die Halbinsel von Dunedin zu drehen. Diese solle landschaftlich besonders reizvoll sein und atemberaubende Ausblicke bieten. Und sie hatten recht. Zwar war die Strecke bergig und teilweise sehr steil, doch die Aussicht auf die Küstenlandschaft, die Seen und die geschützten Naturgebiete entschädigte für jede Anstrengung.
Nach der Rundfahrt führte mich der Weg zurück nach Dunedin. Dort wartete bereits der nächste Kraftakt: Ein extrem steiler Anstieg über die Stadtgrenze hinweg, mit Passagen von über 16 % Steigung. Diese Belastung spürte ich deutlich in den Beinen – und auch mein noch sensibles Knie meldete sich leicht. Dennoch blieb es im Rahmen.
Entlang der Küste ging es weiter Richtung Brighton. Dort wohnt Paul – der Mann, der mich einige Tage zuvor beim Trampen mitgenommen hatte. Er hatte mich eingeladen, auf einen Tee vorbeizukommen. Gegen 14:00 Uhr erreichte ich sein Haus und wurde herzlich von ihm und seiner Familie empfangen. Wir führten lange Gespräche über Gott und die Welt. Besonders interessant fand ich seine Einblicke in die neuseeländische Landwirtschaft: Viele chinesische Investoren kaufen Milch- und Fleischprodukte direkt von den Farmen auf, sodass für den heimischen Markt weniger übrig bleibt. Teilweise werden Produkte exportiert und später zu einem deutlich höheren Preis wieder nach Neuseeland eingeführt. Zudem sprach er über die steigende Inflation im Land und darüber, dass Schafwolle heute kaum noch profitabel sei, während Lamm- und Rindfleisch weiterhin stark nachgefragt werden.
Nach einem schönen Austausch verabschiedete ich mich und setzte meine Fahrt fort. Mein Ziel war ein Nationalpark abseits der Hauptstraße, der als besonders ursprünglich und landschaftlich beeindruckend gilt.
Kurz davor bemerkte ich jedoch merkwürdige Geräusche an meiner Vorderbremse. Zunächst wusste ich nicht, was die Ursache war. Dann gab es ein Knacken – ein kleines Teil sprang ab – und das Geräusch verstummte. Beim nächsten Bremsen merkte ich jedoch sofort, dass der Druck fehlte und Metall auf Metall traf. Mir war klar: Hier stimmt etwas nicht.
Ich lud also mein gesamtes Gepäck ab, baute die Bremsbeläge aus und stellte fest, dass auf einer Seite der Belag vollständig heruntergefahren war – ungewöhnlich ungleichmäßig. Sicherheitshalber ersetzte ich beide Beläge, montierte alles wieder und konnte anschließend beruhigt weiterfahren.
Direkt danach begann ein sehr steiler Offroad-Anstieg mit losem Schotter und großen Steinen. Das Hochfahren war äußerst anstrengend, doch die Landschaft im Nationalpark war die Mühe wert. Kaum Autos, weite Natur und das Gefühl völliger Abgeschiedenheit machten diesen Abschnitt besonders. Die wiederholt steilen Anstiege forderten mich jedoch körperlich stark heraus.
Schließlich erreichte ich den höchsten Punkt und genoss eine längere Abfahrt bis nach Milton. Dort angekommen, musste ich mich beeilen: Der Supermarkt schloss in fünf Minuten. Gerade noch rechtzeitig konnte ich einkaufen und füllte anschließend an einer Tankstelle meine Benzinflasche für den Kocher auf.
Da es in der Umgebung weder See noch Fluss gab, entschied ich mich für einen Campingplatz – eine Dusche war nach diesem anstrengenden Tag dringend nötig. Dort traf ich einen argentinischen Radreisenden, der mehrere Monate auf einer Obstfarm in Neuseeland gearbeitet hatte und nun von der West- zur Ostküste unterwegs war. Wir unterhielten uns lange und tauschten Reiseerfahrungen aus.
Geduscht, gestärkt und nach meiner Abendroutine schnitt ich noch mein tägliches Kurzvideo. Kurz nach Mitternacht fiel ich schließlich müde, aber erfüllt ins Bett.









