Der Härtetest zurück nach Dunedin
Am Morgen machte ich mich auf den Weg zum Bus nach Oamaru. Zunächst sah es jedoch nicht danach aus, als würde mein Fahrrad problemlos mitreisen können. Es passte schlichtweg nicht in den Gepäckraum. Also baute ich kurzerhand das Vorderrad aus, drehte den Lenker quer und verdrehte auch noch den Gepäckträger – mit etwas Geduld und Improvisation gelang es schließlich doch, alles zu verstauen. Erleichtert konnte die Fahrt beginnen.
Die Busstrecke führte durch jene traumhafte Landschaft, die ich nun Stück für Stück wieder mit dem Fahrrad zurück nach Dunedin fahren wollte. Nach etwa anderthalb Stunden erreichte ich Oamaru, setzte mein Rad wieder zusammen und startete meine Etappe.
Schon bald kam ich an den Abschnitten vorbei, an denen ich wenige Tage zuvor noch starke Knieschmerzen gehabt hatte. Nun fühlte es sich stabil und belastbar an – eine enorme Erleichterung. Entlang der Küste wechselten sich Highway-Abschnitte mit ruhigeren Nebenstrecken ab. Anfangs war es moderat hügelig, doch bald türmten sich größere Anstiege vor mir auf, die mich an die langen, kräftezehrenden Berge in der Türkei erinnerten.
Nach 70 Kilometern legte ich in Palmerston eine Pause ein, kaufte mir ein Softgetränk und aß meine belegten Brote. Frisch gestärkt stellte ich mich dem nächsten großen Anstieg: Vom Meeresspiegel ging es auf über 300 Meter hinauf. Manche Passagen waren so steil, dass ich mein vollbepacktes Fahrrad kraftvoll hinaufdrücken musste. Oben angekommen wurde ich mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt.
Von dort führte die Strecke wieder hinunter Richtung Küste. In der Ferne konnte ich bereits die Halbinsel von Dunedin auf der anderen Seite des Wassers erkennen. Gute Radwege machten das Vorankommen angenehm, doch die inzwischen über 1.400 gesammelten Höhenmeter waren deutlich in meinen Beinen zu spüren.
Ein letzter Anstieg fehlte noch: der Hügel zu meinen Gastgebern. Das finale Stück hatte stellenweise bis zu 16 % Steigung – noch einmal ein echter Kraftakt. Doch auch dieses Stück meisterte ich. Damit war der Test bestanden: Mein Knie hielt stand.
Zurück im Haus wartete eine nette Geste auf mich – meine Gastgeber hatten mir etwas von ihrem Mittagessen aufgehoben. Gefüllte Teigtaschen mit Gemüse schmeckten nach dieser Etappe besonders gut. Anschließend absolvierte ich meine Stretching-Routine. Diesmal spürte ich die Belastung genau dort, wo sie hingehört – in der Muskulatur – und nicht mehr als stechenden Schmerz rund um die Kniescheibe.
Müde, aber zufrieden legte ich mich am Abend ins Bett und bereitete alles für die Weiterfahrt am nächsten Tag Richtung Süden vor. Der Neustart war gelungen.










