Tag
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Erste thailändische Gastfreundschaft am Meer 
 
 
Heute Morgen packte ich meine Sachen, frühstückte noch kurz und verließ die Stadt Sichon. Schon bald führte mich der Weg über kleine Nebenstraßen entlang von Palmölplantagen, dichtem Dschungel und wunderschöner Küstennatur. Je weiter ich nach Süden kam, desto mehr Moscheen sah ich, und viele Frauen trugen Kopftücher. Das zeigte mir, dass der Einfluss des Islams hier immer stärker wird – ein Zeichen, dass ich Malaysia und damit meinem Ziel immer näherkomme. Trotzdem begegnete ich auch noch einigen buddhistischen Tempeln, die sich zwischen den Palmen versteckten. 
 
Auf diesen kleineren Wegen erlebe ich die Natur viel intensiver als auf den großen Highways. Ich sah indische Zwergkormorane, Kuhreiher und sogar einige Paradiesvögel. Immer wieder überquerte ich Brücken, die über Kanäle führen, die ins Meer münden. Von dort oben bot sich ein weiter Blick über Plantagen, Mangobäume und Bananenhaine – ein Anblick, der mich jedes Mal aufs Neue begeistert. 
 
Am Abend zogen dunkle Wolken auf, und ich hatte bereits rund 140 Kilometer hinter mir. Ich begann, nach einem Restaurant zu suchen, um etwas zu essen, doch weit und breit war keins zu finden. Erst nach weiteren zehn Kilometern entdeckte ich schließlich eine kleine offene Kochstube, wie sie hier so typisch ist. Dort bekam ich eine große Portion Reis mit Gemüse und Ei – genau das, was ich nach einem langen Tag brauchte. 
 
Während des Essens kam ich mit den Besitzern ins Gespräch. Zu meiner Überraschung boten sie mir an, bei ihnen zu übernachten. Da für die Nacht Regen angekündigt war, nahm ich dieses Angebot dankbar an – so musste ich mein Zelt nicht wieder im Nassen aufbauen. Die Familie war unglaublich herzlich: Der Sohn räumte sogar sein Zimmer für mich, während er selbst mit seiner Familie gemeinsam in einem anderen Raum schlief. 
 
Das Haus war einfach, aber liebevoll eingerichtet – genau das, was man wirklich braucht. Die Frau des Hauses, 32 Jahre alt und mit ein wenig Englischkenntnissen, zeigte mir später zusammen mit ihrem Bruder den Strand, der nur 100 Meter entfernt lag. Zwar wurden wir dort von unzähligen Moskitos attackiert, doch die Abendstimmung mit dem Blick auf das Meer, das aufleuchtende Gewitter und die Blitze am Horizont war einfach magisch. 
 
Zurück im Haus durfte ich duschen, machte meine Abendroutine und legte mich schließlich auf die Matratze in meinem kleinen eigenen Zimmer. Es war ein einfacher, aber unvergesslicher Abend – meine erste echte Gastfreundschaft in Thailand, und eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.