Tag
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Ein ereignisreicher Tag zwischen Wasserwegen, Waranen und Wolkenkratzern 
 
 
Heute Morgen ging es für mich früh aus der Unterkunft, da ich mir am Vortag noch eine Bootstour über die Kanäle Bangkoks gebucht hatte. Am Chao-Phraya-Fluss startete die Fahrt mit einem typischen Longtail-Boot, das sich gemächlich durch die Kanäle schlängelte. Immer wieder konnte ich Varane beobachten – mal schwammen sie durchs Wasser, mal lagen sie reglos auf den Steinen in der Sonne. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, diese beeindruckenden Tiere hier so häufig in freier Wildbahn zu sehen. 
 
Während der Fahrt kam ich mit zwei Norwegerinnen ins Gespräch. Wir unterhielten uns lange und tauschten Reisegeschichten aus – solche zufälligen Begegnungen mit interessanten Menschen liebe ich besonders auf meiner Reise. 
 
Ein besonderes Highlight der Bootstour war die Passage an der Wat Paknam Phasi Charoen Buddha-Statue vorbei, die stolze 69 Meter hoch ist. Diese gigantische Figur wirkte in der Morgensonne geradezu ehrfurchtgebietend. Auf dem Rückweg kamen wir noch an einem Floating Market vorbei, der so schön und lebendig war, dass ich mir dort auch ein paar kleine Souvenirs kaufte. Die rund 30 Euro für die Tour waren in meinen Augen bestens investiert. 
 
Nach einem kleinen Mittagessen machte ich mich auf den Weg in den Lumphini Park, eine grüne Oase mitten in der Stadt. Ich wusste bereits, dass es dort Varane gibt, doch dass sie überall im Park zu sehen sind – im Wasser, auf den Wegen oder zwischen den Grünflächen – hätte ich nicht erwartet. Eine Szene fesselte mich besonders: Ein Varan fraß an einer toten Schildkröte, als plötzlich ein deutlich größerer Artgenosse auftauchte und ihm die Beute streitig machte. Der Große, rund zwei Meter lang, jagte den kleineren immer wieder ins Wasser. Dabei sah ich, wie schnell diese sonst träge wirkenden Tiere werden können, wenn es ums Fressen geht. 
 
Ich beobachtete das Geschehen fast anderthalb Stunden lang und versuchte, mit meinem Weitwinkelobjektiv trotz fehlendem Teleobjektiv ein paar gute Aufnahmen zu machen – was mir mit Geduld und etwas Glück schließlich gelang. Die Tiere im Park waren an Menschen gewöhnt und zeigten kaum Scheu, was mir ermöglichte, einzigartige Bilder zu schießen. Diese Begegnung werde ich so schnell nicht vergessen. 
 
Am Nachmittag fuhr ich mit einem Rollertaxi quer durch die Stadt zum Fahrradladen Bikezone, der im Nordosten Bangkoks liegt. Ich hatte zuvor telefonisch geklärt, dass sie Ersatzlager für meine Pedale vorrätig hatten, die nach rund 18.000 Kilometern angefangen hatten zu quietschen und zu knacken. Die Mechaniker wechselten die Lager sofort mit einem speziellen Crankbrothers-Set, das man sonst kaum findet – ein echter Glücksfall für mich. 
 
Pünktlich zum Sonnenuntergang machte ich mich anschließend auf den Weg zum Baiyoke Observation Deck. Der Eintritt kostete 450 Baht, was für die spektakuläre Aussicht im 84. Stockwerk mehr als fair war. Oben befand sich eine sich drehende Aussichtsplattform, von der aus man die unendliche Skyline Bangkoks und den dichten Straßenverkehr aus der Vogelperspektive bewundern konnte. Vor allem bei Nacht wirkte das Lichtermeer der Stadt magisch – als würde man auf eine Miniaturwelt hinabblicken. 
 
Im Ticket war zusätzlich wahlweise ein Getränk oder eine Massage enthalten. Da ich heute wieder viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt hatte, entschied ich mich für eine Fußmassage, die meinen müden Beinen sichtlich guttat. 
 
Zum Abschluss des Tages spazierte ich noch einmal durch Chinatown – diesmal bei Dunkelheit. Während der Stadtteil am Vortag bei Tageslicht schon lebendig wirkte, entfaltete er nun erst seinen wahren Charme: Überall leuchteten chinesische Neonschilder, die Straßen waren voller Menschen, und aus jeder Ecke duftete es nach Streetfood. Ich setzte mich in ein kleines Straßenrestaurant, genoss mein Essen und beobachtete das geschäftige Treiben um mich herum. 
 
So endete ein abwechslungsreicher und ereignisreicher Tag in Bangkok – voller faszinierender Eindrücke, spannender Begegnungen und unvergesslicher Momente.