Der letzte Anstieg – auf den Spuren zur laotischen Grenze
Heute ging es wieder sehr früh mit dem Fahrrad los. Schon nach wenigen Kilometern begannen die ersten steilen Hügel, und es folgten unzählige Auf- und Abfahrten. Zu meiner Überraschung war die Straße jedoch stark befahren – vor allem von LKWs und Reisebussen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es in den Bergen ruhiger zugehen würde, doch das Gegenteil war der Fall.
Die Strecke führte mich vorbei an kleinen Wasserfällen, Baustellen und den allgegenwärtigen Wasserbüffeln, die ruhig am Straßenrand grasten. Durch den vielen Schwerverkehr waren die Straßen teils stark beschädigt, sodass ich permanent zwischen Schlaglöchern, Staub und vorbeirasenden LKWs navigieren musste. Entspannung kam dabei kaum auf – volle Konzentration war gefragt.
Wann immer ich durch kleine Dörfer fuhr, riefen mir fröhliche Kinder ein lautes „Hello!“ zu, liefen mir winkend hinterher und fragten nach meinem Namen. Diese herzlichen Begegnungen zauberten mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und ließen die Anstrengung kurz vergessen.
In der ersten Tageshälfte ging es von 400 Metern Höhe bis auf 1.100 Meter hinauf – mit zahlreichen Zwischenanstiegen. Oben angekommen, machte ich eine wohlverdiente Pause und gönnte mir ein paar Softdrinks. Der Schweiß hatte sich in der feuchten Hitze zu weißen Salzspuren auf meinen Armen abgesetzt – ein deutliches Zeichen, wie viel Flüssigkeit und Mineralien ich verloren hatte.
Nach dem Mittagessen – wie so oft Reis mit Ei – begann die lange Abfahrt. Doch ganz so entspannt wurde es nicht: Immer wieder folgten neue, kurze, aber steile Anstiege, die mich an meine Grenzen brachten. Am Ende des Tages standen 110 Kilometer und ganze 1.850 Höhenmeter auf meinem Tacho – eine enorme Leistung.
Da ich spürte, wie erschöpft mein Körper war, beschloss ich, in der letzten Stadt vor der laotischen Grenze, rund 20 Kilometer entfernt, zu übernachten. Morgen werde ich dann die Grenze überqueren und nach Laos einreisen.
Rückblickend würde ich diese heutige Etappe niemandem empfehlen: Die Kombination aus engen, kurvigen Bergstraßen und dem dichten Schwerverkehr macht sie für Radfahrer extrem gefährlich. Ich musste ständig vorausschauend fahren und durfte keine Sekunde unaufmerksam sein.
Trotz allem war es ein intensiver, eindrucksvoller Tag voller Erlebnisse, Begegnungen und Ausblicke. Am Abend fiel ich erschöpft, aber zufrieden ins Bett – bereit, am nächsten Tag ein neues Land zu erreichen und das Kapitel Vietnam endgültig abzuschließen.





