Keine Fähren, teure Taxifahrt und ein neuer Reisebekannter
Ich hatte mir meinen Wecker auf 6:00 Uhr gestellt, doch in der Nacht kam ich kaum zur Ruhe. Der Jetlag hatte mich noch im Griff – und so verschlief ich kräftig. Als ich schließlich aufwachte, zeigte die Uhr 10:15 Uhr. Erst war ich erschrocken, dann dachte ich: Mein Körper hat sich wohl den Schlaf geholt, den er dringend brauchte. Also ging alles etwas schneller – und um 10:40 Uhr saß ich bereits auf dem Fahrrad. Frühstück musste ausfallen, denn ich hatte für heute eigentlich einiges geplant.
Mein Weg führte mich zunächst am Roten Fluss entlang, Richtung Meer. Laut Google Maps gab es mehrere Fähranleger, über die ich den Fluss überqueren konnte. Eine Brücke im Norden wäre zwar eine Option gewesen, aber ich wollte mir den dichten Stadtverkehr ersparen.
Der erste Fähranleger lag am Ende kleiner, enger Wege, die durch Bananenplantagen und vorbei an illegalen Mülldeponien führten. Schon auf dem Weg fragte ich mich, ob hier überhaupt noch eine Fähre fährt. Als ich ankam, bestätigte sich mein Verdacht: Heute fuhr keine. Also weiter zum nächsten Anleger – doch auch dort hatte ich kein Glück.
Als plötzlich ein kräftiger Regenschauer einsetzte, machte ich eine Pause und holte mein Frühstück nach. Im kleinen Kiosk fragte ich den Besitzer, ob es irgendwo eine Fähre gäbe, die sicher fährt. Er erklärte mir, dass ich etwa 15 Kilometer weiter südlich fahren müsse – dort gäbe es eine größere Verbindung über den Fluss.
Nach knapp einer Stunde kam ich an. In einem kleinen Wärterhäuschen saß ein Mann, den ich erst einmal aufwecken musste. Doch seine Antwort enttäuschte mich: Aufgrund des Hochwassers nach dem Taifun seien alle Fähren vorübergehend eingestellt.
Das stellte mich vor ein Problem. Die nächste Brücke im Norden lag 60 Kilometer entfernt – ein riesiger Umweg. Ich fragte noch, ob er mich vielleicht irgendwie mit einem kleinen Boot übersetzen könne, doch das war nicht erlaubt.
Mir blieb also nichts anderes übrig, als ein Taxi zu nehmen – bis in die Stadt Ninh Binh, auf der anderen Seite des Flusses. Eine nette Kioskbesitzerin rief eines für mich. Als der Fahrer ankam, verlangte er allerdings einen utopischen Preis: 700.000 Dong, also etwa 22 Euro. Für vietnamesische Verhältnisse wäre die Hälfte völlig ausreichend gewesen, doch da er wusste, dass ich keine Alternative hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als einzuwilligen.
Nach einer längeren Fahrt kam ich endlich in Ninh Binh an. Schon im Auto hatte ich mir eine Unterkunft herausgesucht und konnte direkt einchecken. Das Hostel war riesig – 15 Betten in einem Raum, ein großer Pool, ein Fitnessbereich, eine Kletterwand – und das alles für nur vier Euro inklusive Frühstück.
Dort lernte ich einen polnischen Reisenden kennen. Wir waren die einzigen Gäste in dem großen Schlafraum und kamen ins Gespräch. Er erzählte mir, dass er immer ein halbes Jahr auf der Welt arbeitet – mal als Bootbauer, mal als Skilift-Mitarbeiter – und den Rest des Jahres durch Asien reist.
Obwohl der Tag anders verlaufen war als geplant, war ich froh, zumindest einen interessanten Menschen getroffen zu haben. Ein bisschen enttäuscht über meine „Niederlage“ mit der Fähre, aber dankbar, dass letztlich alles gut ausgegangen war, legte ich mich schlafen – in der Hoffnung, dass am nächsten Tag wieder alles einfacher läuft.






