Ein bewegender Tag zwischen Visum, Tempeln und einer schweren Lebensgeschichte
Heute Morgen lief ich zunächst zur Laotischen Botschaft, um meinen Pass abzugeben und hoffte, ihn am gleichen Tag wieder abholen zu können. Danach kümmerte ich mich um mein Fahrrad: Meine alte Kette hatte nach den extremen Höhenmetern in Nordvietnam stark gelitten und musste ersetzt werden. Im Fahrradladen bekam ich zudem den Hinweis auf einen weiteren Shop, wo ich zwar keine Sonnencreme fand, mir dafür aber ein schönes Langarm- und Kurzarmtrikot gönnte – eine Investition, da mein altes Trikot nach knapp 10.000 km sichtlich verschlissen war.
Am Vormittag besuchte ich den Phu Tay Ho Tempel, wo ich viele Menschen beim Beten und Darbringen von Opfergaben beobachten konnte. Später fuhr ich mit einem Roller-Taxi weiter zum Ngoc Son Tempel am Hoan-Kiem-See und ließ die besondere Atmosphäre dort auf mich wirken. Zwischendurch konnte ich auch meinen Reisepass mit dem Laos-Visum abholen – eine große Erleichterung.
Ein weiteres Highlight war das traditionelle Wasserpuppentheater Thang Long, das mich mit seiner kunstvollen Inszenierung begeisterte. Direkt danach organisierte mir meine Bekanntschaft Thao, die lange im Tourismus gearbeitet hat, einen Bus nach Hao Lang. Dank ihrer Kontakte lief alles reibungslos: Ich wurde mit einem Roller abgeholt, zur Busstation gebracht und schließlich weiterbefördert.
Da die Fähren zur Insel, wo mein Fahrrad und mein Gepäck standen, an diesem Tag nicht mehr fuhren, durfte ich bei einer anderen Bekanntschaft von Thao übernachten – eine Frau, die ebenfalls vier Jahre in Deutschland gelebt hatte und mit der ich auf Deutsch sprechen konnte. Ihre Eltern empfingen mich herzlich, und ich war froh, nach dem anstrengenden Tag einen kühlen Raum zum Ausruhen zu haben.
Am Abend kam auch Thao nach Hause, und wir unterhielten uns lange. Dabei erzählte sie mir ihre sehr bewegende und traurige Lebensgeschichte Sie hatte in Vietnam einen deutschen Mann kennengelernt, war mit ihm nach Deutschland gezogen und dort Mutter eines Sohnes namens Liam geworden. Doch die Familie des Mannes – vor allem seine Mutter – akzeptierte sie nie wirklich. Schließlich musste Thao aus dem gemeinsamen Haus ausziehen, während der Vater den Sohn bei sich behielt und ihr den Kontakt zunehmend verweigerte.
Die Situation spitzte sich so sehr zu, dass Thao psychisch zusammenbrach und schließlich nach Vietnam zurückkehrte – ohne Geld und ohne Perspektive, jemals zeitnah wieder nach Deutschland zu fliegen. Obwohl ihr das Sorgerecht zusteht, verweigert ihr Mann jede Kommunikation und schickt weder Bilder noch Videoanrufe. Während sie mir das alles erzählte, weinte sie viel, und ich merkte, wie allein sie sich mit ihrem Schmerz fühlt. Ich versuchte, ihr zuzuhören, sie zu trösten und ihr zumindest für diesen Moment etwas Halt zu geben.
Zum Abschied schenkte sie mir – als Buddhistin – einige buddhistische Ketten, die mich auf meiner weiteren Reise beschützen sollen. Dieses Geschenk empfand ich als unglaublich wertvoll, vor allem nach einem so offenen und ehrlichen Gespräch. Mit vielen mitfühlenden Gedanken legte ich mich am Abend schlafen.








