Tag
1

Ankunft am Südchinesischen Meer – Von den Bergen bis zur Küste 
 
 
In der Nacht hatte es erneut geregnet. Zum Glück war ich in einem Homestay untergebracht und blieb trocken, sodass ich am Morgen entspannt packen und losfahren konnte. Die ersten Kilometer führten mich noch einmal über einige Hügel, die jedoch bei Weitem nicht so steil waren wie am Vortag. 
 
Bald darauf erreichte ich die größere Stadt Lào Cai. Dort herrschte reger Trubel: unzählige LKWs schlängelten sich hupend an mir vorbei. Das Fahren war anstrengend und fordernd, da hier die zentrale Verbindungsstraße zwischen Hanoi und den nordvietnamesischen Bergregionen verläuft. Je weiter ich mich jedoch nordöstlich entfernte, desto weniger wurden die schweren Lastwagen. Gleichzeitig spürte ich, dass ich mich der Küste näherte – die Besiedlung nahm zu, und mit ihr auch der Verkehr auf den Straßen. 
 
Trotz allem empfand ich es als angenehm, dass kaum Touristen unterwegs waren. So konnte ich mich unauffällig im einheimischen Verkehr bewegen. Da ich allerdings müde war und die Nacht schlecht geschlafen hatte, fehlte mir heute deutlich die Energie. Mehrfach hielt ich an kleinen Supermärkten, um mir Softdrinks zu kaufen, die mir schnelle Zuckerschübe gaben – erstaunlicherweise funktionierte das sehr gut. 
 
Nach 135 Kilometern erreichte ich schließlich das Südchinesische Meer. Es war ein besonderer Moment: Seit fast 10.000 Kilometern hatte ich kein großes Meer mehr gesehen, das letzte Mal an der türkischen Küste bei Antalya. Umso glücklicher war ich, wieder die Weite des Wassers zu spüren und die frische Brise genießen zu können. 
 
Mein Ziel war eine kleine Halbinsel, auf der ich mir eine Unterkunft suchen wollte. Doch von meiner Seite aus führte dorthin nur ein Express-Highway, auf dem Fahrräder offiziell verboten sind. Ich beschloss, es dennoch zu versuchen und hoffte, die 25 Kilometer ohne Schwierigkeiten hinter mich zu bringen. Doch bereits nach 5 Kilometern wurde ich von der Verkehrspolizei gestoppt – nachdem mich zuvor schon mehrere Autofahrer und LKW-Fahrer auf mein Verbot aufmerksam gemacht hatten. 
 
Die Beamten erklärten mir freundlich, dass ich hier nicht weiterfahren dürfe. Die einzige Lösung war, dass mein Fahrrad auf den Transporter geladen wurde und sie mich die verbleibenden 20 Kilometer über die Schnellstraße mitnahmen. Eine unerwartet nette Geste. So gelangte ich schließlich doch auf die Halbinsel und in die kleine Stadt Đông Xá. 
 
Die Unterkunftssuche gestaltete sich allerdings erneut schwierig. In den ersten beiden Häusern wurde ich abgewiesen, obwohl augenscheinlich genügend Platz vorhanden war. Vermutlich wollten die Betreiber keine Touristen aufnehmen, um keine Steuern abführen zu müssen – oder sie hatten gar kein offizielles System zur Registrierung. Wie auch immer, es war merkwürdig. 
 
Schließlich fand ich doch noch ein Zimmer direkt am Wasser. Ich setzte mich an den Kai, blickte über das Meer und genoss den Sonnenuntergang. Mit müden Beinen und erschöpft vom langen Tag fiel ich kurz darauf ins Bett.