Ein Tag zwischen Extremen – Aufstieg, Schotterpisten und Unterkunftssuche
Heute stand ich sehr früh auf und gönnte mir erstmals seit langer Zeit wieder ein Frühstück in einem Restaurant gegenüber meiner Unterkunft. Da eine äußerst anspruchsvolle Etappe mit einem großen Berg vor mir lag, wollte ich so viel Energie wie möglich schon am Morgen tanken. Nachdem ich alles gepackt hatte, schwang ich mich auf mein Rad – und noch in der Stadt begann der Anstieg.
Zunächst war die Steigung zwar hart, aber noch bewältigbar. Doch je weiter ich kam, desto extremer wurden die Rampen. Teilweise ging es mit bis zu 15 % Steigung bergauf – bei 30 Grad, brennender Äquatorsonne, 70 Kilo Körpergewicht, 65 Kilo Fahrrad mit Gepäck und zusätzlichem Wasser. Der Aufstieg von 200 Metern auf 1450 Meter Höhe innerhalb von 30 Kilometern brachte mich an meine Grenzen.
Nach einem besonders fordernden Serpentinenanstieg bei rund 900 Metern Höhe legte ich eine kurze Pause ein. Meine Waden brannten, Schweiß tropfte in Strömen und schweißliebende Mücken setzten mir zusätzlich zu. Ein Eis und ein paar zuckrige Softdrinks gaben mir neue Kraft – heute war es ohnehin unabdingbar, permanent Energie nachzuführen.
In einem kleinen Dorf entschied ich mich dann, nicht die Hauptstraße zu nehmen, sondern einer von Komoot vorgeschlagenen Alternativroute zu folgen. Wie sich herausstellte, war das ein brutaler Fehler – und zugleich ein Abenteuer. Der Weg war noch steiler als alles, was ich bisher in meiner Radkarriere erlebt hatte. Anfangs bestand er noch aus Betonplatten, später führte er auf den Pass. Oben angekommen, freute ich mich schon auf eine schöne Asphaltabfahrt – doch es erwartete mich das Gegenteil: eine 25 Kilometer lange Schotterpiste.
Die Abfahrt war ein Balanceakt. Der grobe, lose Schotter machte jede Bewegung gefährlich, die Steigung nach unten war extrem. Ich musste ständig konzentriert bremsen, ohne die Bremsen zum Glühen zu bringen. Es war eine echte Hassliebe: Schieben, Frust und höchste Anstrengung einerseits, traumhafte Landschaft, kleine Bergdörfer und ein unvergessliches Offroad-Erlebnis andererseits. Ohne diese Route wäre ich niemals in diese entlegenen Dörfer gelangt, in die sich sonst kaum ein Tourist verirrt.
In Thong Nong angekommen, war ich erschöpft und hungrig. Da ich unterwegs nichts gefunden hatte, fiel mein Mittagessen aus, und ich stärkte mich nun am Abend umso mehr. Die Suche nach einer Unterkunft erwies sich allerdings als weitere Prüfung:
Das erste auf Google Maps markierte Hotel existierte nicht. Ein zweiter Hinweis führte mich zwar zu einem Gebäude, doch dort wurde ich trotz sichtbarer freier Zimmer abgewiesen. Ein vietnamesischer Gast war so freundlich, den Besitzer für mich anzurufen, aber selbst dann hieß es, das Hotel sei ausgebucht – eine Situation, die mich an manche Provinzen in China erinnerte, wo Ausländer nicht aufgenommen werden dürfen.
Im zweiten Hotel wiederholte sich das Spiel: freie Zimmer, aber keine Bereitschaft, mich aufzunehmen. Erst im dritten Hotel hatte ich endlich Erfolg. Erschöpft, aber erleichtert, konnte ich dort duschen und den wohlverdienten Schlaf finden.







