Vom höchsten Pass Vietnams ins Tal – ein Tag voller Kontraste
Der Tag begann mit einem kleinen Umweg: Zunächst holte ich meine frisch genähte Radhose bei einer Näherei ab, danach gab es ein bescheidenes Frühstück. Dann hieß es Abschied nehmen von Sapa – und erneut bergauf fahren. Noch einmal mussten 550 Höhenmeter überwunden werden, bis ich schließlich den höchsten Pass Vietnams auf 2015 Metern erreichte.
Die Anstiege waren extrem steil, und zum ersten Mal spürte ich mein rechtes Knie deutlich. Diese Belastung auf den Gelenken ist bei solch langen Rampen kaum zu vermeiden, doch ich bin zuversichtlich, dass sich alles wieder einpendeln wird. Die Aussicht am Pass entschädigte jedenfalls für die Mühe: dichter Bergdschungel ringsum, und immer wieder wehten Wolken über die Passhöhe.
Dann folgte ein Highlight – eine 25 Kilometer lange Abfahrt ins Tal. Endlich rollen lassen, den Fahrtwind genießen, links und rechts beeindruckende Panoramen. Solche Abfahrten machen das Radreisen magisch und sind das genaue Gegenteil der schweißtreibenden 12 %-Steigungen, die einen wie einen Wasserfall tropfen lassen.
Im Tal angekommen, eröffneten sich wunderschöne Reisterrassen, die sich an den Berghängen entlangzogen. Immer wieder winkten mir Kinder am Straßenrand zu und riefen fröhlich „Hallo“. Je länger ich nun in Vietnam bin, desto mehr fällt mir auf, wie nah die Kultur an die zentralasiatischen Länder erinnert. China dagegen wirkt im Rückblick wie ein eigenes, völlig anderes Kapitel.
Die Strecke führte weiter durch einige Baustellen, wo Straßen erneuert oder neu gebaut wurden. Schließlich stand ich vor der Entscheidung: im Dorf im Tal übernachten oder noch einmal 500 Höhenmeter hinauf. Ich entschied mich für Letzteres – und hatte damit am Ende des Tages rund 1600 Höhenmeter und 95 Kilometer in den Beinen.
Die Sonne stand schon tief, als ich mein Zelt mit traumhafter Aussicht über das Tal direkt neben der Straße aufschlug. Den Staub und Schweiß des Tages wusch ich mir unter einem kleinen Wasserfall ab – ein perfekter Ausklang nach einem anstrengenden, aber erfüllenden Tag.









