Tag
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Regen, Dschungel und die Vorbereitung auf Kunming 
 
 
Heute Morgen wurde ich von den Geräuschen des Dschungels geweckt. Vögel stimmten ihren morgendlichen Gesang an – für mich das Signal, aufzustehen und zu frühstücken. Das Frühstück war eher zweckmäßig als gesund: eingeschweißte Muffins, zwei Snickers-Riegel und immerhin eine kleine Packung gesalzener Erdnüsse mit Chili. Davon habe ich in China mittlerweile schon unzählige gegessen. 
 
Nachdem ich mein Zelt in dieser idyllischen Szenerie abgebaut hatte, kämpfte ich mich zurück durch das Dickicht bis zur Straße. Dort ging es erst einmal bergab, bevor mich zwei weitere Anstiege erwarteten. Die Landschaft ist hier extrem hügelig, und so sammelt man unweigerlich viele Höhenmeter. In Nanhua machte ich eine entspannte Mittagspause. Das Wetter hielt sich bisher gut, doch kaum war ich wieder losgefahren, änderte es sich schlagartig: ein massiver Regenschauer prasselte auf mich nieder. 
 
Zunächst zog ich nur meine Regenjacke an, weil ich zu bequem war, die restliche Ausrüstung aus der Tasche zu kramen. Ich hoffte, dass der Schauer bald vorbei sein würde – doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Stattdessen wurde ich komplett durchnässt. Das Wasser lief mir so stark in die Schuhe, dass ich irgendwann stehenbleiben musste, um meine Socken auszuwringen. Erst nach zwei Stunden hörte der Regen auf, und die feuchtwarme Luft trocknete meine Kleidung langsam wieder. Nur die Socken blieben klamm. 
 
Mein Weg führte mich weiter durch Chuxiong bis ins kleine Dorf Dajiuzhuang. Nach einem letzten Anstieg tauchte ich noch tiefer in den Dschungel ein. Beim Abendessen dort warf ich einen Blick auf die Wetter-App und sah, dass für die Nacht erneut starker Regen angesagt war. Da ich am nächsten Tag die lange Etappe von 140 Kilometern bis nach Kunming schaffen möchte, entschied ich mich, noch einmal in einer Unterkunft zu übernachten. So ging es früh ins Bett, um morgen erholt in einen langen Fahrtag zu starten.