Tag
1

Über tausend Hügel am Jinsha-Fluss entlang

Heute Morgen wachte ich mit leichtem Halskratzen auf. Die Anstrengung des Vortages hatte meinem Körper offenbar etwas zugesetzt, sodass sich eine kleine Erkältung ankündigte. Da ich weder eine erhöhte Herzfrequenz noch andere Beschwerden verspürte, beschloss ich, trotzdem weiterzufahren. Das Höhenprofil für den heutigen Tag hatte ich mir bereits am Vortag angesehen – es versprach eine vergleichsweise schonende Etappe.

Ich verließ meine einfache, aber völlig ausreichende Unterkunft im Bettenlager, in der ich glücklicherweise allein geschlafen hatte, und folgte dem Jinsha-Fluss. Dieser bildet die natürliche Grenze zwischen dem tibetischen Gebiet, in dem ich mich befand, und der autonomen Tibet-Region, in die ich nicht einreisen darf. Die Strecke führte leicht bergab, doch am Fluss entlang wechselten sich kurze Anstiege und Abfahrten mit jeweils etwa 40 Höhenmetern ständig ab – eine Belastung, die sich ganz anders anfühlt als ein gleichmäßiger, langer Anstieg von mehreren Hundert Höhenmetern.

Während der Fahrt spürte ich immer wieder das Kratzen im Hals und den Schleim im Rachen. Meine Mittagspause verbrachte ich an einem besonders schönen Platz direkt am Fluss, im Schatten eines Baumes. Bei rund 12 °C war es angenehm frisch, doch sobald die Sonne hervorkam, wurde es spürbar wärmer, sodass ich wieder in meinem kurzen Outfit fahren konnte.

Die Route führte mich vorbei an vielen kleinen tibetischen Dörfern, Grabmälern, flatternden Gebetsfahnen und bunt bemalten Felswänden. Schließlich erreichte ich bereits um 16:00 Uhr die Stadt Baiyü. Für die Nacht suchte ich mir ein günstiges Hotel – nicht nur, weil ich mich noch immer in einem Bärengebiet befand und keine Lust hatte, Essen aufwendig bärensicher aufzuhängen, sondern auch, um am nächsten Morgen früh starten zu können. Der bevorstehende Tag würde einer der härtesten meiner Reise werden, und dafür wollte ich gut ausgeruht sein.

Nach einem Abendessen im Restaurant gegenüber, einer warmen Dusche und der letzten Routenplanung für den nächsten Tag legte ich mich früh schlafen – in der Hoffnung, dass das Halskratzen bis morgen verschwunden sein würde.