Abschied, tiefe Einblicke und die Grenze nach Sichuan
Am Morgen erwachte ich nach einem erholsamen Schlaf früh. Auf dem Feld gegenüber des Hauses waren die Yaks an im Boden verankerten Seilen befestigt, während die Kälber in einem großen Gehege Schutz fanden. Verwandte der Familie, die in einem anderen Haus des Anwesens lebten, waren bereits damit beschäftigt, den Kot der Tiere einzusammeln und auf Planen auszubreiten, damit er in den kommenden Tagen trocknen konnte. Dieser wird hier als Brennmaterial zum Heizen genutzt. Parallel dazu melkten die Frauen die Kühe. Die Milch wurde gesammelt, um sie in den nächsten Tagen zu Butter und trinkbare Milch zu verarbeiten.
Einige Kälber waren notwendig, damit die Tiere überhaupt Milch gaben. Stück für Stück wurden die Yaks anschließend in die Berge getrieben, wo sie den Tag über grasen konnten. Diesen Anblick hielt ich in einigen Fotos fest, bevor ich mich herzlich von allen verabschiedete. Besonders der Junge, den ich am Vortag kennengelernt hatte und der mir erlaubt hatte, hier zu übernachten, war sehr traurig über meinen Aufbruch. Mit diesen warmen Erinnerungen setzte ich meine Reise fort.
Nach etwa 20 Kilometern, während ich weiter an Höhe gewann, bot sich mir der Blick auf ein beeindruckendes Bergmassiv. Am Fuß des Berges lag eine kleine tibetische Stadt mit einem großen Kloster. Ich hielt an, machte einige Aufnahmen und fuhr anschließend in die Klosterstadt. Schon bald fiel ich den Mönchen in ihren traditionellen Gewändern auf. Zu meiner Freude durfte ich das Kloster betreten, in dem gerade gefrühstückt wurde. Die kunstvollen Statuen, farbenprächtigen Malereien und filigranen Verzierungen beeindruckten mich zutiefst.
Als ich mich gerade zum Weiterfahren bereit machte, winkte mich ein Mönch in meinem Alter zu sich und lud mich auf eine Tasse tibetischen Tee ein. Dieses Angebot nahm ich gern an, um tiefere Einblicke in das Leben der Tibeter zu gewinnen. Wenig später saßen wir in einem Büro- oder Sekretariatsraum, tranken Tee und unterhielten uns mit Hilfe einer Übersetzungs-App. Auf meine vorsichtige Frage, ob die Unterdrückung der Tibeter tatsächlich so sei, wie in den Medien berichtet wird, antwortete er nach kurzem Zögern, dass die Regierung langfristig versuche, den tibetischen Glauben auszulöschen. Dies geschehe, indem man Chinesen aus anderen Landesteilen dazu motiviere, hierherzuziehen, wodurch die tibetische Kultur zunehmend verdrängt werde. Freie Meinungsäußerung sei verboten, ebenso wie offene Kontakte mit Fremden oder das öffentliche Ausleben des Glaubens. Religiöse Rituale und Symbole seien zwar in den Dörfern sichtbar, größere Feste oder Kundgebungen jedoch untersagt. Seine Worte erinnerten mich stark an die Situation der Uiguren in Xinjiang.
Nach diesem bewegenden Gespräch, einer zweiten Tasse Tee und etwas zu essen setzte ich meine Fahrt den Berg hinauf fort. Mein heutiges Ziel war der letzte Pass auf über 4.300 Metern Höhe im Hochland von Qinghai. Nach einem längeren Tunnel begann die Abfahrt in Richtung Yushu – eine größere Stadt, in der es wieder sämtliche Versorgung gab. Dort aß ich zu Mittag und füllte meine Vorräte auf.
Trotz leichten Regens setzte ich meine Fahrt fort, bis mir auf der linken Seite ein noch größeres Kloster ins Auge fiel – umgeben von einer ganzen Klosterstadt. Die Dimensionen übertrafen sogar das erste Kloster: reich verzierte Häuser, große Gräber, Skulpturen und unzählige Gebetsmühlen, die von Gläubigen im Kreis gedreht wurden, während sie um ein zentrales Gebäude liefen. Auch ich nahm mir einen Moment, um an diesem Ritual teilzunehmen, bevor ich weiterfuhr.
Die Straße wurde nun hügeliger, verlief aber insgesamt bergab. Als ich einem geplanten Abzweig folgte, war ich zunächst unsicher, ob er der richtige Weg war – er wirkte schmal und unbelebt. Doch nach einem kurzen Abschnitt im schlechten Zustand führte er entlang des Jinsha-Flusses, mit ständigen Auf- und Abstiegen. Kurz vor meinem Ziel entdeckte ich ein Handy auf der Straße. Ich hob es auf, um es im nächsten Dorf abzugeben, doch nur wenige Sekunden später kam mir ein Auto entgegen, dessen Insassen das Telefon suchten. Es gehörte tibetischen Nomaden, die etwas weiter oben in Zelten lebten, und ihre Freude über den Fund war deutlich zu sehen.
In Zhenda, an der Grenze zwischen Qinghai und Sichuan, war ich zunächst etwas angespannt: In dieser Region begegnet die Polizei Ausländern oft mit Misstrauen. Zu meiner Erleichterung verlief die Kontrolle jedoch völlig unkompliziert. Im Dorf suchte ich zunächst in einem Supermarkt nach Vorräten und fragte dann die anwesenden Männer, ob mich jemand für die Nacht aufnehmen könnte. Zunächst lehnten alle ab. Als schließlich ein weiterer Mann hinzukam und mein Anliegen verstand, bot er mir sofort eine kostenlose Übernachtung an. Kurz darauf meldete sich auch ein anderer – diesmal jedoch mit der Forderung nach 200 Yuan. Seine plötzliche Geldforderung, nachdem er zuvor „keinen Platz“ gehabt hatte, ärgerte mich, und so nahm ich dankbar das Angebot des ersten Mannes an.
Sein Haus lag direkt gegenüber, er zeigte mir mein Zimmer und bat seine Frau, mir etwas Warmes zu kochen. Nach diesem anstrengenden Tag genoss ich das Essen, auch wenn ich nicht viel schaffte, da ich zuvor schon gut gegessen hatte. Schließlich legte ich mich ins Bett, während draußen starker Regen fiel – das Wasser, das diese hochgelegene Region so grün macht.










