Müdigkeit, Höhenluft und eine Begegnung mit der Polizei
Die letzte Nacht war leider alles andere als erholsam. Immer wieder wachte ich auf und fand nur schwer zurück in den Schlaf. Am Morgen gesellten sich leichte Kopfschmerzen und ein Kratzen im Hals hinzu. Ich vermute, dass gleich mehrere Faktoren dafür verantwortlich waren: Zum einen hatte ich in meiner letzten Unterkunft Wasser auffüllen wollen, das mir aus einer Art Regentonne in die Flaschen gefüllt wurde – möglicherweise nicht ganz sauber. Zum anderen lag mein Schlafplatz auf fast 4.500 Metern Höhe, was ohne erholsamen Schlaf für den Körper sehr anstrengend ist. Und schließlich war der „Lost Place“, an dem ich übernachtet hatte, vielleicht doch etwas zu unheimlich, um tief und fest zu schlafen.
Trotz der Müdigkeit packte ich am Morgen meine Sachen und fuhr bei Sonnenaufgang los. Gleich zu Beginn warteten 230 Höhenmeter auf mich, bis ich den ersten Pass des Tages erreichte. Wie schon an den Vortagen blies mir auch heute wieder der morgendliche Gegenwind entgegen. Nach der Passhöhe auf knapp 4.600 Metern folgte eine Abfahrt auf etwa 4.200 Meter. Aus diesem Tal stieg die Strecke wieder auf fast 4.600 Meter an – diesmal jedoch deutlich steiler, was in dieser Höhe mit der dünnen Luft besonders kräftezehrend war.
Bevor ich den zweiten Pass erreichte, machte ich eine ungewöhnliche Beobachtung: In der Ferne entdeckte ich ein wolfsähnliches Tier, das sich gerade an einem toten Yak labte. Vermutlich handelte es sich um einen Hund, doch die Ähnlichkeit zu einem Wolf war verblüffend. Der steile Anstieg danach brachte mich ordentlich außer Atem, und mein Schlafdefizit machte sich deutlich bemerkbar.
Nach einer weiteren Abfahrt erreichte ich die nächste Stadt, kaufte Essens- und Trinkvorräte und gönnte mir eine Mahlzeit in einem kleinen Restaurant. Danach ging es weiter zur nächsten Stadt, rund 50 Kilometer entfernt. Die Strecke führte durch atemberaubende Landschaften mit großen grünen Bergen und Flüssen, die sich malerisch durch die Täler schlängelten. Ständiges Auf und Ab sorgte für eine angenehme Abwechslung zu den langen Anstiegen und Abfahrten der letzten Tage. Die Wolken zogen erneut bedrohlich zu, doch ich erreichte rechtzeitig die Stadt Zhidoi.
Da ich dringend Ruhe brauchte, suchte ich mir ein Hotel. Den Preis konnte ich von 270 Yuan auf 170 Yuan herunterhandeln – etwa 20 Euro. Doch es gab ein Problem: Als Ausländer musste ich polizeilich registriert werden. Da die Hotelangestellte die Polizei nicht erreichen konnte, kündigte sie an, dass man mich später befragen würde. Ich befürchtete schon, dass mir das Radfahren im restlichen Teil von Qinghai verboten werden könnte.
Ich duschte, legte mich ins Bett und schlief erst einmal zweieinhalb Stunden. Am Abend ging ich nebenan essen, kaufte noch Proviant für den nächsten Tag und kehrte zurück ins Hotel. Kurz darauf klopfte es an meiner Tür: Zwei Polizisten standen davor. Im Foyer befragten sie mich – sachlich und korrekt, ganz anders als manche Begegnungen zuvor. Ihr Hauptanliegen war, dass ich die Region so bald wie möglich verlasse. Als ich erklärte, dass ich in zwei Tagen in Sichuan sein werde, waren sie zufrieden. Sie nahmen meine Personalien auf, machten noch ein gemeinsames Foto und verabschiedeten sich.
Erleichtert darüber, dass keine weiteren Schwierigkeiten entstanden, legte ich mich ins Bett – in der Hoffnung, dass die kommende Nacht erholsamer werden würde und ich am nächsten Tag wieder voller Energie in die Pedale treten kann.






