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Salzsee, Seitenwind und ein Hotelkrimi in Golmud

Heute wurde ich durch die ersten schweren LKWs geweckt, die über die Straße direkt oberhalb meines Schlafplatzes donnerten. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber die Morgendämmerung tauchte die Wüste bereits in ein warmes, goldenes Licht. Die feinen Strukturen im Sand begannen zu leuchten – ein wunderschöner Anblick, den ich in vollen Zügen genoss. Zum Frühstück gab es ein paar Kekse, dann packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg.

Anfangs war der Himmel noch bewölkt, was die Sonnenstrahlung angenehm dämpfte. Dazu hatte ich kräftigen Rückenwind, der mich förmlich vorantrieb. In gerade einmal zwei Stunden legte ich 50 Kilometer zurück. Doch dann kam eine Kurve – und aus dem perfekten Rückenwind wurde starker Seitenwind. Ab diesem Moment ging es deutlich zäher voran.

Plötzlich entdeckte ich etwas Ungewöhnliches: einen See, der eher wie mit Kleister gefüllt aussah. Als ich ein Schild sah, auf dem stand, dass ich mich nun in einer Salzregion befand, war mir klar, dass es sich um einen Salzsee handeln musste. Ich ging näher heran, nahm etwas von der Oberfläche in die Hand. Es fühlte sich fest, aber auch leicht weich an – mit grober Kristallstruktur und fast fettiger Konsistenz. Ein faszinierendes Material.

Je weiter ich fuhr, desto weißer wurde der Wüstenboden links und rechts von mir. Salzablagerungen, die fast wie Schnee aussahen. Dann tauchten vor mir die ersten großen Industrieanlagen auf, in denen das Salz aus dem See gefiltert wird. Direkt daneben lagen kleine, künstlich angelegte Becken – mit intensiv türkisgrünem Wasser, wie ich es selten gesehen habe. Ich ließ die Drohne steigen und war überwältigt vom Ausmaß und der Farbvielfalt dieses Ortes.

Nach 140 Kilometern ohne Versorgungsmöglichkeit kam ich endlich an eine Raststätte. Für gerade einmal 1,20 € gab es Instant-Nudeln und einen Softdrink – ein willkommenes Mittagessen. Anschließend wollte ich den berühmten Qarhan-Salzsee besuchen – den zweitgrößten Salzsee der Welt. Allerdings hatte mir ein Polizist in Qinghai ja eigentlich verboten, Wege zu verlassen oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen…

Ich probierte es trotzdem. Ich dachte, ich könnte vielleicht einfach mit dem Fahrrad an den Parkplätzen vorbei direkt zum See fahren. Doch nach zwei Kilometern kam eine Schranke mit Security. Die erklärten mir freundlich, aber bestimmt, dass ich ein Ticket kaufen und mit dem offiziellen Bus fahren müsse. Kurze Zeit später kam sogar der Manager des Naturparks, der mir half, ein Ticket zu lösen und mich zu einem Bus begleitete – sehr nett!

Am Besucherparkplatz tobte das Leben. Hunderte Chinesen warteten aufgeregt auf die Busse. Im Minutentakt wurden Gruppen zum See gebracht – durch streng gesicherte Industrieanlagen, durch die man zu Fuß gar nicht hindurch darf. Die Dimensionen waren riesig.

Am See angekommen: wow. Die Farbverläufe des Salzwassers, von türkis über grün bis fast weiß, waren atemberaubend. Doch der Ort war auch massiv überlaufen. Tausende Menschen machten Selfies, Videos, Shootings. Überall surrten Drohnen durch die Luft. Mir wurde das zu viel – ich suchte mir eine ruhigere Stelle etwas abseits, um diesen besonderen Moment zu genießen.

Nach dieser Erfahrung brachte mich der Bus wieder zurück – und ich sattelte erneut auf. Noch 55 km lagen vor mir, der Wind hatte etwas nachgelassen, aber war weiterhin unangenehm. Die letzten 10 km gegen den Wind waren dann wirklich zäh.

In Golmud angekommen, suchte ich etwas zu essen. Ich hatte Lust auf meine typischen Nudeln mit Ei und Gemüse – aber die ersten sechs Restaurants boten nur Teigtaschen, die mir zu wenig Energie gaben. Im siebten Restaurant hatte ich endlich Glück – für 1,30 € bekam ich ein gutes Abendessen. Direkt daneben lag auch mein Hotel.

Doch dann kam der Schockmoment: „Wir nehmen keine Ausländer.“ Die Rezeptionistin erklärte mir, dass das Hotel keine Genehmigung für internationale Gäste habe – obwohl ich das Zimmer vorher online gebucht und bestätigt bekommen hatte. Ich war erschöpft, wollte einfach nur schlafen, duschen, meine Sachen waschen – und einen Ruhetag einlegen.

Nach längerem Hin und Her rief der Manager beim zuständigen Amt an – und bekam schließlich doch die Erlaubnis, mich einzuchecken. Eine riesige Erleichterung! Noch einmal durch die Stadt irren und neue Unterkünfte suchen – in dieser Größe keine Option, schon gar nicht bei Nacht.

So fiel ich nach 150 Kilometern, beeindruckenden Naturphänomenen, viel Wind und einem Hotelkrimi todmüde ins Bett.