Tag
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Sandhügel, Sternenhimmel und 5G auf der Düne

Heute Morgen klingelte mein Wecker schon um 6:00 Uhr – ich wollte die Stimmung vor dem Sonnenaufgang an diesem atemberaubenden Ort unbedingt noch einmal aufsaugen. Die Nacht war erstaunlich frisch, mit nur 12 Grad – eine deutliche Abkühlung im Vergleich zu den sonst so heißen Wüstennächten. Zum Frühstück gab es ein paar Reste, die ich mir am Vortag noch organisiert hatte.

Noch vor Sonnenaufgang ließ ich meine Drohne steigen, um die besondere Stimmung einzufangen. Währenddessen hörte ich in der Ferne einen Hirten mit seiner Schafherde, der sich gemächlich über die weiten Flächen des Wasserreservoirs bewegte – ein fast schon filmreifer Moment. Danach packte ich mein Zelt zusammen, cremte mich in der nun steigenden Sonne ein und machte mich unauffällig auf den Rückweg durch das heruntergetretene Loch im Zaun – unentdeckt.

Zurück auf der Straße ließ ich das grüne Idyll des kleinen Dorfs hinter mir – und die große Wüste begann erneut. Zunächst ging es einen langgezogenen Hügel hinauf, dann folgte ein entspannter Abschnitt bergab durch flaches, trockenes Land. In der Ferne tauchten dann immer mehr Sandhügel auf – teils nur wenige Meter hoch, teils gewaltig, zerklüftet oder glatt, symmetrisch oder völlig chaotisch.

Ich war sprachlos. Diese Landschaft war wie aus einer anderen Welt. Die Hügel zogen sich über Kilometer hinweg, links und rechts der Straße, mit einer Vielfalt, wie ich sie selten gesehen habe – nicht ganz so spektakulär wie Kapadokien vielleicht, aber auf ihre eigene Weise wunderschön. Besonders auffällig: Diese Formationen traten nur in leicht erhöhten Bereichen auf – in den ganz flachen Abschnitten der Wüste waren sie verschwunden. Der Wind scheint hier über die Jahrhunderte ein echtes Kunstwerk geschaffen zu haben.

Nach rund 110 Kilometern durch diese faszinierende Region erreichte ich ein kleines Dorf – wie so oft mit LKWs, Werkstätten, Raststätten und kleinen Supermärkten. In einem Restaurant bekam ich sogar das Abendessen geschenkt, die Besitzer waren neugierig und herzlich.

Da mich danach wieder 140 km Wüste ohne Versorgung erwarteten, deckte ich mich mit Wasser und Lebensmitteln ein. Dank Rückenwind ging es flott weiter. Eigentlich hatte ich nur noch 30 km fahren wollen – am Ende wurden es jedoch 65 km. Ich suchte nach einem geeigneten Schlafplatz. Einfach irgendwo im offenen Gelände zelten kam für mich nicht infrage – zu viel Wind, zu sichtbar.

Glücklicherweise gab es entlang der Straße alle 5 km eine kleine Unterführung, durch die bei Regen das Wasser abfließen kann. Manche von ihnen waren aber entweder zu weit von einem Mobilfunkturm entfernt – oder direkt darunter, was genauso ungünstig ist. Bei der dritten Unterführung hatte ich dann Glück: genug Abstand zum Mast, aber noch guter Empfang.

Ich baute mein Zelt dort versteckt auf. Leider benutzen manche Leute diese Unterführungen auch als Toilette – immerhin war alles durch die Hitze getrocknet und es roch nur leicht. Nach dem Aufbau rollte ich mich noch mit meiner Faszienrolle durch und bereitete mich auf ein Meeting mit dem Darmstädter Echo vor, das regelmäßig über meine Reise berichtet.

Für das Gespräch nahm ich mir einen Softdrink, mein Handy und den Campingstuhl, kletterte eine Düne hoch und setzte mich dort in die Abendbrise. Und siehe da: 5G bei vollem Empfang. Das Internet hier draußen war besser als in manchem Dorf!

Nach dem Gespräch war es inzwischen dunkel, und der Rückweg zu meinem Zelt wurde zur kleinen Odyssee. In der völligen Dunkelheit der Wüste war meine Handytaschenlampe nicht besonders hilfreich – erst als ich meine AirTags am Fahrrad ortete, fand ich den Weg zurück zur Unterführung.

Nach dem Zähneputzen stand ich noch eine Weile da, schaute in den Sternenhimmel, sah die Milchstraße in all ihrer Klarheit – ein Anblick, den man nur ohne Lichtverschmutzung bekommt. Und dann kroch ich müde, aber glücklich in mein Zelt. Ein Tag, der in Erinnerung bleibt