Per Anhalter durch die Wüste: Hitze, Kontrolle und ein letzter Kraftakt bis Dunhuang
Heute Morgen blieb mein Fahrrad stehen. Die Strecke, die vor mir lag, war schlichtweg nicht mit dem Rad machbar – erst nach 200 Kilometern hätte es die erste Möglichkeit gegeben, Wasser oder Essen zu bekommen. Danach wären es noch einmal 150 Kilometer durch nichts als brütend heiße Wüste. Bei Temperaturen von über 45 °C war das eine Strecke, die ich weder bei Tag noch bei Nacht hätte bewältigen können.
Also packte ich meine Sachen, griff zu einem Stück Pappe und schrieb mit dickem Filzstift „Dunhuang“ darauf – mein Ziel für den Tag. Ich stellte mich an denselben Ort, an dem ich die letzte Nacht geschlafen hatte, in der Nähe einer Tankstelle, wo viele LKWs parkten. Schon der erste Fahrer nahm mich mit – allerdings nur bis zur nächsten großen Kreuzung.
Dort dauerte es eine Weile, bis ich weiterkam. Zwei Autos hielten an, erklärten mir freundlich, dass sie keinen Platz hätten. Dann schließlich stoppte ein Fahrer mit einem Geländewagen, der mich zuerst nicht mitnehmen wollte, da es verboten ist, Ausländer zu befördern. Ich erklärte ihm kurzerhand, dass mir die Polizei genau das ausdrücklich erlaubt hätte – was natürlich nicht stimmte, aber meine einzige Chance war. Die Sonne brannte erbarmungslos, und ich musste aus dieser Situation irgendwie rauskommen.
Nach etwas Zögern willigte er ein. Mein Fahrrad wurde auf dem Dach seines Wagens festgezurrt, die Taschen kamen ins Auto. Ich selbst sollte im zweiten Fahrzeug seiner Familie mitfahren. So ging es weiter – stundenlang durch die trostlose Weite der Wüste, draußen flimmernde Hitze, im Auto angenehme Kühle.
An der Raststätte auf halber Strecke, die auch gleichzeitig die Grenze zwischen Xinjiang und Gansu markiert, gab es dann – wie erwartet – Probleme mit der Polizei. Sie scannten akribisch die Dokumente des Fahrers und meine Papiere und wiesen ihn an, mich bei der nächsten Polizeistation abzusetzen. Es gehe dabei natürlich, wie immer in China, nur um meine „Sicherheit“.
Wenig später, an einer weiteren Polizeikontrolle am Ende der Wüste, wurde ich schließlich mit all meinen Sachen abgeladen. Von dort aus lagen noch 20 Kilometer auf dem Rad vor mir – der letzte Abschnitt nach Dunhuang.
Die Stadt erreichte ich erschöpft, aber erleichtert. Ich checkte in ein Hostel ein, aß endlich etwas und ließ diesen nervenaufreibenden, heißen und kontrollgeladenen Tag langsam ausklingen.





