Glutofen Turpan: Feuerberge, Gegenwind und ein Sturz mit Folgen
Heute begann mein Tag ungewöhnlich früh – bereits um 5:00 Uhr stand ich auf. Trotz des frühen Starts war es eine Herausforderung, aus dem Bett zu kommen, denn die Gewöhnung an diese Uhrzeit fällt mir noch schwer. Nach einem kleinen Snack startete ich kurz vor Sonnenaufgang meine Etappe aus Turpan, wo selbst nachts noch 32 °C herrschten. Man kann sich also vorstellen, welche Temperaturen am Tag in dieser Senke, dem heißesten Ort Chinas, herrschen.
Mein erster Stopp war an den berühmten Feuerbergen, wo schon Temperaturen von über 55 °C gemessen wurden und in der Sonne tatsächlich Eier im Sand gegart werden können. Ich blieb dort jedoch nur kurz, denn mit jedem Sonnenstrahl wurde es heißer. Anschließend ging es kontinuierlich bergauf, diesmal jedoch mit starkem Gegenwind, was die Fahrt deutlich erschwerte.
Die Landschaft war dafür umso beeindruckender: die Felsen und Strukturen, die sich zu beiden Seiten der Straße erhoben, gaben dem Aufstieg einen spektakulären Rahmen. Von -50 Höhenmetern an den Feuerbergen ging es auf über 500 m ü. M. – bei einer brütenden Hitze von bis zu 42 °C.
Auf dem weiteren Weg musste ich mangels Alternativen den Highway G30 nehmen – eigentlich für Fahrräder nicht erlaubt. Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis mich die Polizei dort aufgreift. Nach etwa 30 km war es dann so weit: Zwei Streifenwagen hielten mich an. Zunächst waren die Beamten sichtlich verärgert, beruhigten sich jedoch schnell, als sie merkten, dass ich kooperativ war. Sie wollten mein Fahrrad samt Gepäck über die Leitplanke heben, was ich als wenig praktikabel empfand. Ich baute daher alle Taschen ab, hievte das Rad selbst über die Leitplanke und montierte alles erneut.
Im Anschluss eskortierten mich die Polizisten über einen improvisierten Trampelpfad zur parallel verlaufenden Schnellstraße, auf der ich meine Fahrt ohne Probleme fortsetzen konnte.
Nach rund 8 Stunden Fahrt und 115 km fand ich einen Schlafplatz an einem Wasserkanal. Ich stellte mein Zelt unter einem provisorischen Carport aus Ästen neben einem verlassenen Gebäude auf – gut geschützt und halbwegs verborgen. Die Abkühlung im Kanal war nach dem heißen Tag ein wahres Geschenk.
Doch das Glück währte nicht lange: Beim Überqueren eines Plastikrohrs, das als schmale Brücke über den Kanal diente, rutschte ich mit meinen Adiletten ab und stürzte ins Wasser – das Handy in der Hand. Kurz war es komplett unter Wasser. Erst ließ es sich nicht mehr starten, dann erschien eine Warnung wegen Feuchtigkeit im Ladeport. Ich versuchte mein Glück: Trocknen in der prallen Sonne, Reinigen mit einem kleinen Messer – und tatsächlich, nach einiger Zeit funktionierte es wieder.
Die Erkenntnis aus diesem Vorfall: Ohne funktionierendes Handy ist man in China deutlich eingeschränkter als in Europa – kein VPN, kein Internet, keine Navigation, keine Kommunikation. Ich hatte Glück im Unglück, doch solche Zwischenfälle sollten mir nicht noch einmal passieren.
Zum Abschluss dieses herausfordernden Tages zog ich mich bei Resthitze von 35 °C in mein Zelt zurück – erschöpft, aber auch ein wenig erleichtert.





