Ruhe suchen im Schatten der Kontrolle
Heute startete ich früh aus dem Zwangshotel, in das mich die Polizei am Vortag eskortiert hatte. Die morgendliche Luft war frisch, der Himmel bewölkt – ideale Bedingungen, um gut voranzukommen. Zwar war die Strecke erneut hügelig, und es wehte ein konstanter Gegenwind, doch die Fahrt entlang eines Flusses bot immer wieder beeindruckende Landschaftspanoramen, die mich für die Anstrengung entschädigten.
Weniger erfreulich waren die Zustände an den Rastplätzen entlang der Straße: Überall lag Müll verstreut, was dem Bild der Natur einen traurigen Kontrast entgegensetzte.
Zum Mittag kehrte ich wieder in ein kleines Restaurant ein – wie auch schon in den letzten Tagen. Für umgerechnet zwei bis drei Euro bekommt man hier eine große, frisch zubereitete Portion – günstiger als Einkaufen im Supermarkt oder eigenes Kochen. Ich habe daher beschlossen, in den nächsten Wochen vorwiegend außer Haus zu essen – effizienter, günstiger und kulinarisch oft sehr schmackhaft.
Im Restaurant wurde ich erneut von mehreren Gästen angesprochen – man wollte Fotos mit mir machen, wie es hier häufig vorkommt. Ich lächle, bleibe freundlich – auch wenn es innerlich manchmal anstrengend ist, als „Exot“ so viel Aufmerksamkeit zu erhalten.
Am Nachmittag setzte ich meine Fahrt fort – wieder leicht bergauf. Nach 150 Kilometern suchte ich mir schließlich einen Schlafplatz für die Nacht. Diesmal war mir Diskretion besonders wichtig: Ich wollte unbedingt vermeiden, dass die Polizei mich wieder aufgreift oder mich zu einem Hotel zwingt.
Ich achtete deshalb sehr genau darauf, dass keine Überwachungskameras an der Straße montiert waren, und keine Streifenwagen in der Nähe unterwegs waren, als ich auf einen kleinen Feldweg abbog. Ich fuhr einige Hundert Meter hinein, entlang eines Maisfelds, und gelangte schließlich durch ein offenes Gittertor auf ein abgelegenes Privatgrundstück.
Dort, in einer ruhigen Ecke zwischen Mais, einem kleinen Waldstück und einem gepflegten Rasen, wollte ich mein Zelt aufbauen. Allerdings bemerkte ich, dass dort auch ein Mann arbeitete – vermutlich der Eigentümer oder ein Landarbeiter.
Ich überlegte: Sollte ich ihn fragen? Oder lieber schweigend im Verborgenen bleiben, um kein Risiko einzugehen, dass jemand die Polizei informiert? Allein, dass man sich solche Gedanken machen muss, zeigt, wie tief das Misstrauen in dieser Region reicht.
Ich entschied mich für die ehrliche Variante und sprach ihn an. Er zeigte sich freundlich und erlaubte mir, dort zu übernachten. Er warnte mich lediglich vor den zahlreichen Stechmücken am Abend und dem aufziehenden Regen – beides für mich kein Problem. Ich machte ihm deutlich, dass ich gut vorbereitet sei. Seine Fürsorge und Offenheit waren in dieser angespannten Umgebung eine wohltuende Ausnahme.
Als die Dunkelheit hereinbrach, machte sich bei mir eine gewisse Unruhe breit. Ich fragte mich, ob ich in der Nacht wieder geweckt und kontrolliert werden würde. Ein Hauch von Paranoia begleitete mich – und das nicht ganz unbegründet. In einem Land, in dem Fremde systematisch überwacht werden, wird selbst das Zeltaufstellen in der Natur zur Gratwanderung zwischen Freiheit und Vorschrift.
Ich hoffte auf eine ruhige Nacht – und darauf, nicht erneut zwischen Behördenwillkür und Abenteuerlust abwägen zu müssen. Was der nächste Tag bringt, bleibt wie immer ungewiss.




