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Von der Höhe ins Grüne: Kirgistan zeigt sein anderes Gesicht

Nach dem kräftezehrenden Tag gestern startete ich heute meine Weiterfahrt in Richtung Osh. Es ging direkt bergig los, aber nach den ersten Höhenmetern kam die Belohnung: eine langgezogene, fast schon meditative Abfahrt. Von 3200 m auf 2200 m – und das auf wunderbar geteertem Asphalt. Ein echter Genuss! Ich konnte einfach mal rollen lassen, die Landschaft rechts und links in mich aufsaugen und endlich mal wieder entspannt fahren. Das hatte ich in dieser Form zuletzt in Georgien erlebt.

Kirgistan fühlt sich sofort anders an. Die vielen Grüntöne, die sich über die Hügel und Täler ziehen, wirken nach den kargen Höhen des Pamir wie ein Befreiungsschlag für die Augen. Überall grasen Pferde, Nomaden treiben ihre Herden, und in den weiten Wiesen leuchten die weißen Jurten in der Sonne. Es hat etwas Zeitloses. Man spürt sofort, dass die kirgisische Kultur tief verwurzelt ist im Leben in und mit der Natur.

Nach der Hälfte des Tages führte mich der Weg weiter bergab – auf Asphalt, aber begleitet von starkem Gegenwind. Der Wind bremste mich so sehr, dass selbst die Abfahrt anstrengend wurde. Dazu kam die Hitze, die mit jeder Höhenmeter abwärts zunahm. Ich merkte deutlich, wie ich aus dem kühlen Hochland in die heißen Täler kam. Auf etwa 1500 Metern war es dann fast schon sommerlich.

Als ich einen geeigneten Platz an einem Fluss entdeckte, war für mich klar: Hier schlage ich mein Zelt auf. Die perfekte Kulisse – plätscherndes Wasser, ein bisschen Schatten, aber auch spürbar drückendere Luft als noch in den Bergen. Mir wurde bewusst: Noch gestern war ich über 2700 Höhenmeter weiter oben. Dieser enorme Wechsel in Höhe, Luftdruck und Temperatur forderte seinen Tribut.

Also baute ich mein Lager auf, ruhte mich aus und ging früh schlafen – mit dem Plan, am nächsten Morgen lange zu schlafen und neue Energie für den kommenden Anstieg zu tanken.