Tag
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Aufstieg zum Pass und Begegnungen am Chukurkul-See

Am Morgen wollte ich eigentlich früh losfahren. Doch die ganze Nacht hatte es geregnet, und auch am Morgen nieselte es noch. So musste ich erst warten, bis der Regen aufhörte. Gegen 9:00 Uhr war es dann endlich soweit, und ich konnte mein Lager abbauen. Davor gab es im Zelt noch Porridge und ein paar Kekse zum Frühstück.

Dann ging es wirklich los. Die ersten Kilometer waren wieder sehr steil, und die Wege wurden mit jeder Minute schlechter. Das kann man sich kaum vorstellen, denn zuvor waren sie schon ziemlich miserabel. Nun war es extrem grober Waschbrett-Schotter, dazu an den Seiten und stellenweise sogar auf der ganzen Strecke tiefer Schleichsand. Stück für Stück kämpfte ich mich so auf den Pass in der Hochebene hoch.

In Khargush kam ich an einem Militärcheckpoint vorbei. Dort war jedoch niemand, also fuhr ich einfach unter der Schranke hindurch. Hinter dem Checkpoint machte ich eine Pause, in der Hoffnung, dass doch noch jemand auftaucht. Ich aß meine Kekse und wartete etwa 20 Minuten – doch es kam niemand. Also setzte ich meinen Aufstieg zum Pass fort.

Der Anstieg war stetig steil, und auf über 4000 Metern Höhe wurde die Luft immer dünner. Deshalb musste ich sehr häufig kleine Pausen einlegen, in denen ich die atemberaubende Aussicht genießen konnte.

Als der Weg so schlecht wurde, dass ich nicht mehr fahren konnte, nahm ich einen Nebenweg, den viele Autos als Alternative benutzen. Leider endete dieser Weg in einer sehr schlammigen Stelle. Im Schneegestöber musste ich mein Fahrrad zurück auf den leicht erhöhten Hauptweg schieben, was sehr viel Kraft kostete.

Kurz vor der Passhöhe begann es dann zu schneien. Schnell zog ich meine Regensachen über, zog mich warm an und fuhr bei sehr anspruchsvoller Witterung über den Pass auf 4344 Metern Höhe. Hinter dem Pass zogen die Wolken weiter, und die Sonne brach zwischen dramatischen Wolken hervor. Der Ausblick auf das vor mir liegende, steil abfallende Tal war gigantisch.

Ich fuhr sofort weiter bergab, um nicht erneut in einen Schneesturm zu geraten. Der Abstieg war noch viel schlimmer als der Aufstieg: Ein 500 Meter langer Abschnitt voller tiefem Schleichsand zwang mich zum ständigen Einsinken. Danach folgte der schlimmste Waschbrett-Untergrund, den ich je erlebt habe – nicht nur für ein paar Kilometer, sondern über eine sehr lange Strecke.

Ich fuhr daher extrem langsam mit 3 bis 5 km/h und musste mich so konzentrieren, dass ich vom reinen Runterfahren völlig erschöpft war.

Plötzlich hielt neben mir ein Offroad-Jeep an und fragte, ob ich etwas zu essen oder Tee haben möchte. Ohne lange nachzudenken, stimmte ich zu. Wenige hundert Meter später am Chukurkul-See hielt der Wagen, und ich kam hinzu. Das russische Ehepaar im Auto gab mir sofort eine Cola – ein riesiger Segen, denn seit Langar hatte ich keinen Supermarkt mehr gesehen.

Es gab außerdem Gebäck, Tomaten, Gurken, Brot und warmen Tee. Nachdem sich die beiden verabschiedeten, um noch am gleichen Tag nach Murghob zu fahren, gaben sie mir noch eine Wasserflasche, einige Riegel und Kekse mit.

Kurz darauf kam ein weiterer Kastenwagen an. Zwei Italiener, die an diesem Platz übernachten wollten, gesellten sich zu uns. Wir verstanden uns sofort und waren direkt auf einer Wellenlänge.

Ich baute mein Zelt auf, zog mich um und gesellte mich zu ihnen in ihren beheizten Van. Dort gab es leckere Kartoffelsuppe, die wir gemeinsam genossen. Später blieben wir noch lange zusammen, bis es richtig dunkel wurde und ich mit meiner Abendroutine begann: Stretching, Zähneputzen und Cremes auftragen.

Müde fiel ich in meinen Schlafsack, der in der kalten Nacht perfekte Dienste leisten würde.