Tag
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Ein Rahmenbruch, drei Aufstiege und die Hoffnung auf Stabilität

Am heutigen Morgen stand die Vorbereitung auf den großen Anstieg zur Hochebene an. Bereits um 6:00 Uhr saß ich beim Frühstück. Danach machte ich mich fertig, verabschiedete mich von den äußerst netten Betreibern des Hostels und begann den steilen Aufstieg – überzogen von Steinen und tiefem Sand. Es war einer der anspruchsvollsten Anstiege meiner bisherigen Reise.

Doch 500 Meter vor dem Ende des steilen Stücks hörte ich plötzlich ein Knacken. Etwas fühlte sich am Fahrrad nicht mehr stabil an. Ich schaute zurück – und traute meinen Augen kaum:
Die Rahmenstrebe, die zum Bremssattel und Schaltauge führt, war direkt vor der Bremsaufnahme gebrochen.

Ein Rahmenbruch – bei einem hochwertigen, speziell für Expeditionen gebauten High-End-Reiserad aus Stahl – darf eigentlich nicht passieren. Aber genau das war nun Realität.

Ich hatte bereits 200 Höhenmeter hinter mir und musste das Rad nun vorsichtig wieder ins Dorf hinabschieben. Mit einer gebrochenen Rahmenstrebe sollte man auf keinen Fall weiterfahren – die Gefahr eines Totalschadens wäre zu groß.

Erste Reparatur – erste Enttäuschung

Unten angekommen fragte ich mich durch, bis ich einen Mechaniker fand. Ich erklärte ihm mein Problem, und er meinte: „Kein Problem, das kann ich schweißen.“ Also baute ich das Hinterrad aus – was bei meinem Setup mit Rohloff-NabeRiemenantrieb und Pitlock-Sicherung jedes Mal eine kleine Herausforderung ist.

Die Strebe wurde an der Bruchstelle verschweißt, und ich baute alles wieder zusammen, montierte die Taschen – und machte mich ein zweites Mal auf den Weg Richtung Hochebene.

Doch nach nur 300 Metern – exakt an der Stelle, wo es zuvor passiert war – brach der Rahmen erneut. Diesmal direkt an der Schweißnaht.

Ich war inzwischen ziemlich wütend.
Ich sah mich mit der Frage konfrontiert: Wie soll das weitergehen?

Zweite Reparatur – ein Plan mit Hindernissen

Ich telefonierte mit meinem Mechaniker in Deutschland und meinen Eltern. Max vom Radelmal in Darmstadt empfahl mir, die komplette Strebe großflächiger und stärker zu verschweißen, da der Bruch genau an einer Ausdünnung des Rohres passiert war.

Ich rollte das Fahrrad also zum zweiten Mal den Berg herunter und überzeugte den Mechaniker im Dorf – der ursprünglich zwei Löcher durch den Rahmen bohren und mit einer Platte verschrauben wollte – von meinem Plan.
Das hätte die Struktur nur weiter geschwächt.

Zum Glück ließ er sich darauf ein.

Dritter Versuch – endlich hält es

Wir verschweißten das gesamte Stück der Strebe großflächig. Danach baute ich wieder alles zusammen und entschied mich für eine Testfahrt: Ich fuhr den Berg zum dritten Mal hoch – diesmal jedoch nur als Test, nicht mit voller Beladung.
Und tatsächlich: Kein Knacken, kein Bruch.
Alles hielt.

Ich war vorsichtig optimistisch, dass ich morgen endlich in einem Rutsch den Pass erklimmen kann – ohne erneut zurück ins Dorf rollen zu müssen.

Erleichterung, aber Misstrauen bleibt

Unten angekommen, wurde ich von der Familie des Mechanikers mit Tee und einer Portion Reis mit Eiversorgt. Eine schöne Geste nach diesem aufreibenden Tag.

Der Mechaniker selbst schlug mir dann noch vor, mich samt Fahrrad mit seinem Offroad-Jeep über den 4200 Meter hohen Pass zur nächsten Stadt zu bringen. Dafür verlangte er jedoch 135 Euro – ein Wucherpreis, vor allem wenn man bedenkt, dass ein tajikischer Lehrer im Monat gerade mal 100–200 Euro verdient.

Ich lehnte mehrfach dankend ab. Sein Auftreten machte ihn nicht sympathischer.

Enttäuschung über das Material

Nach diesem emotional und körperlich anstrengenden Tag fiel ich müde ins Bett. Doch die Gedanken ließen mich nicht los. Ich bin enttäuscht von der Firma Böttcher, die mir mit diesem Fahrrad Qualität und Langlebigkeit versprochen hatte – und die mich damit auch offiziell unterstützt. Aber:
• Zwei gebrochene Schaltaugen in Nordmazedonien,
• Etliche Platten in der Türkei,
• Links und rechts gebrochene Aufnahmen für den Gepäckträger,
• Ein Riemen, der nach nur 8000 km ersetzt werden musste,
• Ein Rahmenschloss, bei dem die Schraubenköpfe schon beim ersten Öffnen durchdrehten,
• Und nun ein Rahmenbruch in 3200 Metern Höhe.

Das alles darf bei einem Abenteuerrad dieser Preisklasse nicht passieren.

Ich hoffe sehr, dass Böttcher in Anbetracht dieser Vorfälle kulant reagiert. Und dass das Fahrrad jetzt zumindest eine Weile durchhält – denn gerade in abgelegenen Regionen muss ich mich auf mein Material verlassen können.