Tag
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Ein harter Tag auf holprigen Wegen – mit Tee, Reis und einem eiskalten Bad

Auch heute startete ich zügig in den Tag – wie immer mit meiner bewährten Morgenroutine. Ich wollte jede Stunde ausnutzen, um gut voranzukommen. Die gute Nachricht: Es gab heute keine Baustellenmehr. Die schlechte: Die Straße war trotzdem kaum befahrbar. Der alte Asphalt war völlig aufgebrochen – reine Holperpiste.

Schon nach wenigen Kilometern ging mir dieser anspruchsvolle, mit großen Steinen übersäte Weg gehörig auf die Nerven. Man konnte nur im Schneckentempo fahren, musste ständig bremsen, ausweichen, ausbalancieren.

Zum ersten Mal seit Langem merkte ich: Meine Zündschnur war kurz.
Die Kinder und Leute am Wegesrand, die mich sonst meist erfreuten oder inspirierten, zogen heute eher Energie. Ich fühlte mich schnell gereizt – ein deutliches Zeichen für Erschöpfung.

Ein paar Kilometer solch einer Strecke sind okay – aber über 70 Kilometer mit Steigung, brennender Mittagssonne und Helm auf dem Kopf, das ist eine echte mentale Prüfung. Ich brütete förmlich unter meinem Helm.

Erst als ich in Rushon ankam, wurde die Straße schlagartig besser. Die letzten 5 Kilometer zu meinem zuvor recherchierten Schlafplatz waren daher zum Glück entspannter zu fahren. Doch dann – kurz vor dem Ziel – wieder ein Militärcheckpoint.

Wie so oft wurde mein Pass und das GBAO-Permit kontrolliert. Doch diesmal folgte eine kleine, herzliche Überraschung: Der Beamte winkte mich nach der Kontrolle in seine Hütte – und stellte mir eine riesige Schüssel Reis sowie heißen Tee auf den Tisch.

Ich war überwältigt.
Nach diesem Tag, an dem mir alles zu viel war, tat dieses Essen unglaublich gut – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Ich musste mir am Zeltplatz kein Essen mehr machen und konnte einfach nur genießen.

Etwa einen Kilometer hinter dem Checkpoint führte ein kleiner Weg ins Grüne, vorbei an einigen kleinen Seen. Doch plötzlich: Der Weg war überschwemmt von mehreren kleinen Gebirgsbächen.

Ich dachte mir: „Da wird heute wohl keiner mehr hinkommen – perfekt für einen ruhigen Zeltplatz.“
Also kämpfte ich mich durch das Wasser, balancierte mein Rad durch die flachen Bachläufe und erreichte schließlich meinen Schlafplatz.

Was ich dort entdeckte, war fast surreal:
Direkt hinter meinem Zelt befand sich ein altes Schwimmbecken aus Sowjetzeiten, gefüllt mit kristallklarem Bergwasser. Ich konnte nicht widerstehen – ich nahm ein Bad.

Das Wasser war eiskalt, aber herrlich erfrischend. Ich ging immer nur für ein paar Sekunden rein, wusch mich schnell ab und stieg wieder raus, um nicht völlig auszukühlen. Danach wieder rein, kurz waschen, wieder raus. So ging das ein paar Mal – eine kleine Zeremonie zwischen Schockfrostung und Reinigung.

Da ich schon gegessen hatte, konnte ich direkt in meine Abendroutine starten: Stretchen, Zähneputzen, Tagesreflexion.
Es war gerade mal 19:30 Uhr – ich war erstaunlich gut in der Zeit.

Um 20:00 Uhr hatte ich noch ein geplantes Telefonat mit der Redakteurin vom Darmstädter Echo, die alle zwei Wochen einen Bericht über meine Reise veröffentlicht.

Danach legte ich mich früh schlafen – erschöpft, aber zufrieden. Der Tag hatte mich gefordert, aber auch reichlich belohnt.