Tag
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Erster Tag Richtung Pamir – Raus aus der Stadt, rein in die Berge

Der Wecker klingelte heute früh – 6:30 Uhr. Ich frühstückte das, was ich mir gestern im Supermarkt gekauft hatte, sprach im Foyer noch kurz mit ein paar anderen Radreisenden – und dann begann das eigentliche Warm-Up des Tages: alle Taschen vom vierten Stock wieder nach unten zum Fahrrad schleppen. So kam ich zumindest schon vor dem Losfahren ordentlich ins Schwitzen.

Der Start in den Tag verlief – sagen wir – chaotisch. Der Verkehr in Duschanbe ist ein einziges Hupen, Drängeln, Abkürzen, Einfädeln und Ausweichen. Jeder fährt, wie er will. Ich war froh, als ich langsam aus dem Stadtgebiet herauskam und sich die Autos mehr und mehr ausdünnten. Mit jedem Kilometer Richtung Berge wurde es ruhiger – und auch landschaftlich immer beeindruckender.

Der erste richtige Anstieg ließ nicht lange auf sich warten. Über 70 Kilometer kämpfte ich mich stetig nach oben – bis auf 1.700 Meter Höhe. Dort, auf dem höchsten Punkt des Tages, machte ich meine Mittagspause – mit traumhafter Aussicht auf die schroffen Felsen, die sich ringsum auftürmten.

Nach der Pause rollte ich den Berg wieder hinunter. Doch unten angekommen, wurde es plötzlich ernst: Der Asphalt war zu Ende. Ab hier bestand der Weg aus Sand, losen Steinen und grobem Schotter. Die Abfahrt wurde zur Rüttelpartie, und bergauf ging es von nun an nur noch mit viel Kraft – und Geduld.

Nach 105 Kilometern und über 1.500 Höhenmetern war für heute Schluss. Ich fand eine einfache, aber sehr praktische Schlafmöglichkeit: eine Art überdachter Rastplatz mit Teppichboden – wie eine Mischung aus Carport und Freiluftzimmer. Solche Plätze hatte ich schon in Usbekistan gesehen, in der Wüste – ein echter Glücksgriff, wenn man nicht direkt auf dem Boden schlafen will.

Ich war ziemlich erschöpft vom Tag, aber zur Ruhe kam ich erstmal nicht: Rund um meinen Schlafplatz versammelten sich sofort Kinder aus dem angrenzenden Dorf – neugierig, lachend, redselig. Einer von ihnen kam mit einem kleinen kaputten Fahrrad an. Natürlich half ich. Ein paar Schrauben fehlten, andere waren locker. Ich kramte in meinem Ersatzteillager, befestigte alles neu – und schenkte dem Jungen damit ein funktionierendes Fahrrad zurück. Seine Freude war riesig – und auch die der anderen Kinder, die das Ganze mit strahlenden Augen verfolgten.

Zum Abendessen gab es heute Brot mit Erdnussbutter, Walnüsse und ein paar Kekse. Für Nudeln fehlte mir die Lust und die Kraft. Irgendwann wurde ich richtig müde – und musste den Kindern und Jugendlichen deutlich machen, dass jetzt Schlafenszeit für mich ist. Sie verstanden das, verabschiedeten sich höflich und zogen sich in ihr kleines Wellblech-Dorf zurück, das direkt an meine Unterkunft grenzte.

So endete ein langer, körperlich fordernder, aber erfüllender Tag – der erste Schritt auf dem Weg Richtung Pamir.