Von eiskaltem Regen, rauchenden Schlöten und warmer Gastfreundschaft – Mein Weg nach Duschanbe
Heute Morgen wachte ich durch den stetig lauter werdenden Verkehr auf der Straße oberhalb meines Schlafplatzes auf. Ich hatte noch etwas gekochte Hirse aus Samarkand übrig, die ich mir mit etwas Gemüse zum Frühstück zubereitete. Nach dem Abbau meines Zelts und dem Packen der Taschen entschied ich mich bewusst dagegen, mein Fahrrad direkt zu bepacken. Der schmale, etwa 30 Meter lange Weg zurück zur Straße war leicht ansteigend, extrem schmal und verlief direkt an einer Abbruchkante, die steil zum Fluss hinabfiel. Das war mir zu riskant. Also trug ich alle Taschen einzeln zur Straße hoch und montierte sie dort wieder ans Rad.
Dann setzte ich meine Fahrt fort – hinein in die gigantischen Berge Tadschikistans, die sich rechts und links eindrucksvoll über mir erhoben. Nach etwa 30 Kilometern durch enge, spektakuläre Schluchten kam der angekündigte große Anstieg: Auf nur 15 Kilometern sollten mich 1.000 Höhenmeter erwarten. Der Anstieg begann auf etwa 1.700 Metern – steil, kurvig und kräftezehrend. Kurve um Kurve arbeitete ich mich hoch. Die Landschaft war atemberaubend: verschiedenste Gesteinsformen, Farben und Höhenzüge wechselten sich ständig ab – ein Anblick, an dem ich mich kaum sattsehen konnte.
Doch nach rund 6 Kilometern und 300 Höhenmetern kam der Wetterumschwung: Auf etwa 2.000 Metern begann es plötzlich zu regnen. Innerhalb kürzester Zeit fielen die Temperaturen drastisch – von angenehmen 20 Grad unten auf nur noch 5 Grad. Ich zog mir zwar schnell meine Regenjacke über das kurze Trikot, dachte aber, es handle sich nur um einen kurzen Schauer. Leider täuschte ich mich. Der Regen wurde stärker, und weil ich meine Regenhose, die Überschuhe und Handschuhe in den Taschen verstaut hatte, war ich bald bis auf die Knochen durchnässt – und ausgekühlt.
Ich wusste, ich muss irgendwo Unterschlupf finden. Hoch oben in den Bergen ist das aber alles andere als einfach. Dann sah ich einen Rauch aufsteigen. Ein Schlot, mehrere LKWs – vielleicht eine Raststätte für Trucker? Ich fuhr hin – und hatte Glück. In einem kleinen Hüttchen wurde gerade Essen für die Fahrer zubereitet, und ein Ofen wärmte den Raum. Erst am Feuer merkte ich, wie stark unterkühlt ich wirklich war. Eine wichtige Lehre: Regenkleidung sollte immer griffbereit sein – und auf mehrere Lagen setzen.
Ein Trucker winkte mich schließlich zu sich und bat mich, ihm zu folgen. Ich ließ mein Fahrrad stehen und stieg zu ihm in den LKW. Er schaltete für mich die Standheizung ein, bot mir den Platz auf seinem Bett hinter dem Fahrersitz an, während er selbst im Sitz döste. Ich trocknete meine Socken, Handschuhe, Schuhe – alles, was nass war. Und ich schlief ein bisschen. Nach rund zwei Stunden war das meiste trocken, und ich bereit, weiterzufahren. Der Regen hatte kurz nachgelassen – ich nutzte die Gelegenheit, holte meine restlichen Regensachen heraus, und fuhr weiter.
Natürlich begann es nach fünf Minuten erneut zu regnen – stärker als zuvor. Doch ich fuhr weiter, durchgeweicht, aber entschlossen. Die letzten 10 Kilometer und 700 Höhenmeter bis zum Pass schaffte ich durch pure Willenskraft.
Oben am Pass angekommen – am sogenannten „Tunnel des Todes“ – wurde ich von der Polizei gestoppt. Die Durchfahrt sei mit dem Fahrrad nicht erlaubt. Also musste ich erneut alle Taschen vom Rad nehmen und versuchen, per Anhalter durch den Tunnel zu kommen. Doch bevor es so weit war, wurde ich von einem Polizisten und seinem Kollegen ins Wärterhäuschen eingeladen. Sie machten die Heizung an, bereiteten mir ein scharfes Curry zu, schnitten frisches Gemüse und reichten heißen Tee. Diese Gastfreundschaft – mitten im Nirgendwo, auf 2.700 Metern Höhe – war einfach nur herzerwärmend.
Nach dem Essen machte ich mich ans Trampen. Es war nicht einfach: Der meiste Verkehr kam aus der entgegengesetzten Richtung. Nach rund 30 Minuten hielt ein Sprinter an und nahm mich samt Gepäck durch den 5 Kilometer langen Tunnel mit.
Auf der anderen Seite begann die lange Abfahrt ins Tal Richtung Duschanbe. Unterwegs gab es noch viele weitere Tunnel – kürzer, aber nicht weniger gefährlich. Viele hatten Schlaglöcher, manche so groß und tief, dass ich beim Durchfahren fast stürzte. Die Dunkelheit in den Tunneln und die engen Fahrbahnen machten das Fahren zu einer Nervenprobe.
Doch die Landschaft, die sich vor mir ausbreitete, entschädigte für alles: Riesige grüne Berge, karge Felsen, dramatische Höhenunterschiede – Tadschikistan zeigte sich in seiner ganzen wilden Schönheit.
Am Abend, noch vor Sonnenuntergang, erreichte ich schließlich Duschanbe. Ich nahm mir ein Zimmer im bekannten Green House Hostel, einem beliebten Treffpunkt für Radreisende, die den Pamir befahren oder gerade von dort zurückkommen. Es war herrlich, endlich wieder unter Gleichgesinnten zu sein. Wir tauschten Geschichten, Tipps – und Lachen.
Später ging ich noch Nudeln essen. Dann fiel ich – vollkommen erschöpft, aber erfüllt – ins Bett.








