Tag
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Begegnungen, Berge und Begeisterung – Mein erster Tag in Tadschikistans Inland

Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker bereits um 7:00 Uhr. Eine halbe Stunde später klopfte Ozodbeks kleine Schwester an die Tür unseres Raumes und brachte uns das Frühstück: wieder Kompott, frisches Brot und Spiegelei – eine einfache, aber nahrhafte Mahlzeit, mit der ich gut in den Tag startete.

Meine Kleidung vom Vortag war noch klatschnass vom Dauerregen. Da sich dieser erst spät am Abend gelegt hatte, war bisher kaum etwas getrocknet. Heute jedoch zeigte sich die Sonne am Himmel, und so konnte ich die Sachen zumindest ein wenig antrocknen lassen, bevor ich sie wieder einpackte. Dann verabschiedete ich mich herzlich von Shohrux, Ozodbek und seiner Familie, die mir eine so warme und offene Gastfreundschaft entgegengebracht hatten. Wie so oft wurde bei der Verabschiedung noch mit jedem ein Erinnerungsfoto gemacht – ein schöner Brauch, der mich immer wieder ehrt. Anschließend begleiteten mich die beiden Jungs noch bis zur Hauptstraße, wo wir uns schließlich endgültig trennten.

Nun begann mein Weg ins bergige Inland Tadschikistans. Die Landschaft veränderte sich zunehmend: Es ging beständig bergauf – jedoch nicht in einem durchgehenden Anstieg, sondern in einem ständigen Auf und Ab, das insgesamt aber an Höhe gewann. Diese Abwechslung tat mir gut, denn sie machte die Strecke trotz der Steigungen kurzweiliger, auch wenn das ständige Auf und Ab körperlich durchaus fordernd war.

Was mich an diesem Tag besonders bewegte, waren die vielen spontanen Begegnungen unterwegs. Bei fast jeder Pause, die ich einlegte, bildete sich schnell eine Gruppe Neugieriger um mich – mit vielen Fragen, viel Interesse, manchmal aber auch mit einer Intensität, die meine Ruhephasen erschwerte. Doch gleichzeitig berührte mich die Herzlichkeit der Menschen tief: In jedem Dorf, durch das ich fuhr, wurde ich mit einem fröhlichen „Halooo!“ begrüßt – aus Gärten, von Schulkindern, von älteren Menschen am Straßenrand. Viele Kinder wollten mich abklatschen, und ich nahm mir die Zeit, so viele Hände wie möglich zu erwidern.

Diese Offenheit, dieses ehrliche Interesse – es war keine aufgesetzte Neugier, sondern eine spürbar herzliche Freude über meine Anwesenheit. Ich hatte das Gefühl, willkommen zu sein. Und mehr noch: Tadschikistan fühlte sich auf Anhieb besonders an. Vielleicht entwickelt sich dieses Land zu meinem bisherigen Favoriten auf der Reise. Mal sehen, was noch kommt.

Nach rund 120 Kilometern und über 1.600 zurückgelegten Höhenmetern war es an der Zeit, mein Nachtlager aufzuschlagen. Ich fand einen kleinen, geschützten Platz auf einem Felsvorsprung neben einer Brücke, direkt an einem rauschenden Fluss. Es war die einzige etwas abgelegene Stelle abseits der Straße – mit einer wunderschönen Aussicht.

Ich bereitete mir meine Nudeln zu, dehnte mich noch etwas, rollte meine Beine mit der Faszienrolle aus und fiel, erschöpft und voller Eindrücke, ins Zelt. Ein Tag voller Anstrengung, Begegnung – und Begeisterung.