Tag
1

Ausflug zum Tudakul-See und Gastfreundschaft in Kizil-Tepe

Heute Morgen stand ich um 7:00 Uhr auf, packte meine Sachen und ging zum Frühstück. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit machte ich mich mit dem Fahrrad von Buchara aus auf den Weg Richtung Samarkand. Leider blies der Wind erneut ungünstig, sodass ich starken Gegenwind hatte, was das Fahren sehr anstrengend machte. Nach etwa 55 Kilometern legte ich eine Mittagspause an einem kleinen Markt mit Imbiss ein. Dort wurde mir ein Essen mit mehreren Eiern, Salat und Brot zubereitet. Mehrere Jugendliche zeigten großes Interesse an meiner Reise. Einer von ihnen, Azizbek, 25 Jahre alt und Berufsfischer, lud mich ein, mit ihm zum nahegelegenen Tudakul-See zu fahren. Bei der Hitze erschien mir das als willkommene Abwechslung und eine besondere Erfahrung, gemeinsam mit den Einheimischen den See zu besuchen.

Ich packte die benötigten Sachen aus meinem Fahrrad und stellte es sicher in einem Lagerraum neben dem Kiosk ab. Anschließend fuhren wir mit einem Chevrolet Damas etwa eine halbe Stunde durch die Wüste, bis die Landschaft in der Nähe des Sees wieder grüner wurde. Kurz vor dem See machten wir einen Umweg über einen von der Polizei kontrollierten Weg, wo häufig Lastwagen unterwegs waren. Dort befanden sich auch einige Fischer. Am Bauwagen zweier Männer, die Fischhändler sind, kaufte Azizbek 30 Kilogramm Fisch. Der Polizist, der den Fischer kontrollierte, nahm zudem noch eine Zahlung entgegen, die er offenbar für sich behielt. Dies erschien mir zwar unfair, scheint hier jedoch üblich zu sein.

Nach der Abwicklung fuhren wir zum See. Dort erwartete uns ein weiterer Bekannter. Gemeinsam stiegen wir in ein motorbetriebenes Schlauchboot, das uns auf dem weitläufigen See mit hoher Geschwindigkeit über die Wellen jagte. Der Bootsführer zeigte eindrucksvoll seine Fahrkünste, sodass ich mich gut festhalten musste, um nicht ins Wasser zu fallen. Zwischendurch hielten wir an, sprangen ins Wasser und genossen die warme Sonne bei angenehmer Abkühlung. Anschließend setzten wir die Fahrt über den See fort, bevor wir zurückkehrten.

Der Bruder von Azizbek lud mich noch zum Schwimmen ein, dem ich gern nachkam. Nach dem Trocknen in der Sonne fuhren wir zurück nach Kizil-Tepe, wo mich die Gruppe sehr gastfreundlich mit Pizza, Eis und Getränken bewirtete. Diese Herzlichkeit hat mich tief beeindruckt.

Später fuhren wir noch mit Azizbek durch die Stadt. Dabei war ich mir nicht immer sicher, was er in den verschiedenen Restaurants geschäftlich erledigte. Er erklärte, dass er manchen Betreibern Geld leiht, was mir etwas dubios vorkam. Schließlich holten wir noch Nummernschilder für das neue Auto seines Vaters ab und befestigten sie mit meinem Fahrrad-Multitool.

Das Haus seiner Familie war ein großes Anwesen, das von außen wie ein Schloss wirkte. Innen jedoch war die Einrichtung recht heruntergekommen. Aufgrund der stickigen und heißen Luft im Inneren zog ich mich nach draußen zurück, wo ich bis 5:30 Uhr schlief.