Tag
1

Ein grünes Paradies zwischen Wüste und Fischteichen

Heute Morgen stand ich um 4:45 Uhr auf, packte die letzten Sachen und schnallte alles ans Fahrrad. Die angenehmen Temperaturen in der Morgendämmerung machten das frühe Losfahren richtig schön. Nach 50 km frühstückte ich gegen 8:30 Uhr am Straßenrand im Grünen.

Weiter ging es für mich durch Nukus. Nach 100 km legte ich eine weitere Pause ein und unterhielt mich mit ein paar Einheimischen. Leider verstanden sie mich oft nicht richtig, und Google Translate hat auf Usbekisch keine Vorlesefunktion. Als ich mehrfach versuchte zu fragen, ob es im nächsten Dorf einen Markt für Wasser gibt, konnte mir niemand helfen. Ich war mir aber sicher, dass es dort irgendwo einen kleinen Laden geben musste – zur Sicherheit nahm ich genug Wasser mit.

Nach 150 km erreichte ich schließlich das Dorf am Fluss Sarybay und kaufte dort noch einen 5-Liter-Kanister. Da ich am nächsten Morgen früh los wollte und der Laden erst um 8:00 Uhr öffnete, war ich nun mit 12 Litern Wasser gut vorbereitet.

Hinter dem Dorf ging es auf kleineren Wegen weiter – vorbei an spielenden Kindern im Wasser – bis zu einer Stelle, die ich spannend fand. Und tatsächlich: eine wunderschöne grüne Oase mit Fischteichen. Noch eben war ich in der Wüste, jetzt war ich umgeben von Wasser, Schilf, Insekten und einer aktiven Vogelwelt. Ich konnte Seeschwalben, Nachtreiher, Bienenfresser, Eisvögel, Stelzenläufer und viele Käfer beobachten. Die turkmenische Grenze war von hier nur etwa drei Kilometer Luftlinie entfernt.

Ein Bauer, der seine Kühe an den Teichen hatte, nahm mich ein Stück mit durch die Natur. Danach kochte ich mir Nudeln und genoss die Aussicht auf dieses grüne Archipel. Obwohl ich teilweise bei 40 °C unterwegs war, war es durch die Wolken erträglich – trotzdem spürte ich die Anstrengung.

Gerade als ich mich gedehnt hatte und ins Bett gehen wollte, kam ein Auto vorbei. Im Wagen saß der Eigentümer des Reservats. Er bat mich, mein Zelt auf einem anderen Teil seines Grundstücks aufzubauen. Erst war ich zögerlich, wollte dann aber auch die Gastfreundschaft nicht ausschlagen – und es war ja sein Gelände. Also packte ich zusammen, ging etwa 300 Meter weiter und bekam dort direkt Essen serviert: Hackfleisch, Tomaten und Gurken. Auch hier setzte ich meine vegetarischen Prinzipien mal außer Kraft – Teil der kulturellen Erfahrung.

Wodka wurde mir ebenfalls mehrmals angeboten, doch ich lehnte dankend ab. Ich trinke kaum Alkohol, und so etwas würde mich direkt umhauen. Für die russisch geprägte Region ist es jedoch völlig normal, abends gemeinsam eine Flasche zu leeren. Später kam noch ein zweiter Herr dazu, die beiden saßen zusammen, während ich etwas abseits die Stimmung genoss.

Die Menschen waren wieder unglaublich herzlich und hilfsbereit. Um mich herum quakten die Frösche, die Natur kam langsam zur Ruhe – und ich schlief bald in dieser friedlichen Atmosphäre ein.