Grenzformalitäten, Gleise und gespannte Nerven
Heute Morgen wachte ich gut ausgeschlafen in einem angenehm temperierten Zimmer auf. Endlich einmal keine Hitze beim Aufwachen – ein kleiner Luxus nach den letzten Tagen in der Wüste. Ich packte in Ruhe meine Sachen für die Grenzüberschreitung nach Usbekistan, schnitt noch schnell ein paar meiner Videos zu Ende und machte mich mit Sack und Pack auf den Weg zur Bahnstation.
Dort wartete ich in der Hitze auf den Zug. Vincent – der andere deutsche Radreisende – war inzwischen auch wieder dabei, ebenso wie Giovanni aus Italien. Gemeinsam verstauten wir unsere Räder und Taschen in einem Abteil. Das Einladen der gesamten Ausrüstung kostete mich viele Nerven: Fahrräder, Taschen, Trinkwasser, Proviant – alles musste seinen Platz finden. In dem engen Zugabteil war das ein ziemlicher Kraftakt und ziemlich stressig.
Unsere Pässe wurden mehrfach kontrolliert: von der kasachischen Bahn, der Polizei und sogar vom Militär. Dann setzte sich der Zug gemächlich in Bewegung und schaukelte mit etwa 60 km/h durch die weite Wüste.
An der Grenze zu Usbekistan kam der Zug zum Stillstand – für ganze zwei Stunden. Das usbekische Militär durchkämmte den Zug akribisch: mit Spiegeln an langen Stangen, ähnlich wie Selfie-Sticks, suchten sie unter den Sitzen nach Schmuggelware. Auch wir wurden überprüft. Vincent und ich mussten unsere Fahrradtaschen öffnen – zum Glück aber nur die, die direkt am Rad befestigt waren. Die großen Packtaschen blieben verschont. Hätten wir auch die noch auspacken müssen, wäre das komplette Chaos ausgebrochen.
Immer wieder setzten sich Grenzbeamte und Polizisten zu uns ins Abteil und begannen Gespräche. Es fühlte sich teils etwas gezwungen an – wir versuchten natürlich, einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen. Wahrscheinlich war das eine Mischung aus Neugier, Kontrolle und Smalltalk.
Da der Zug ein Schlafwagen war, klappten wir abends die Betten aus. Es war heiß, die Luft stand im Abteil, aber trotzdem gelang es mir, einigermaßen gut zu schlafen. Vincent und Giovanni hatten leider weniger Glück – ihnen machte die Hitze deutlich mehr zu schaffen.
Gegen 2:00 Uhr nachts erreichten wir schließlich Kungrad. Müde, verschwitzt und etwas durch den Wind luden wir wieder unsere Räder und Taschen aus. Direkt gegenüber vom Bahnhof fanden wir ein einfaches Hostel, wo wir sofort eincheckten. Ohne viele Worte fielen wir in die Betten – erschöpft, aber erleichtert, dass die Grenzprozedur hinter uns lag und ein neues Kapitel unserer Reise beginnen konnte.







