Tag
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Regen, Höhenmeter und ein herzlicher Empfang in Tiflis

An diesem Morgen wachte ich noch leicht verschlafen auf. Ich wollte heute möglichst früh los, da eine weitere anstrengende Etappe vor mir lag. Zum Frühstück bereitete mir die Chefin der Jugendherberge extra etwas zu: Spiegelei, Käse, Butter, Weißbrot und georgische Teigtaschen mit Granatapfel-Füllung – eine lokale Spezialität. Für gerade einmal fünf Euro war das Frühstück nicht nur lecker, sondern auch extrem günstig, und ich wurde richtig satt.

Beim Bezahlen gab es jedoch ein unerwartetes Problem. Am Vortag hatte ich noch extra überprüft, ob Kartenzahlung möglich ist – laut Aushängen und vorhandenem Kartenlesegerät war das der Fall. Doch am Morgen hieß es plötzlich, das Gerät sei nicht funktionsfähig. Bargeld hatte ich mir in Georgien nicht besorgt, da ich nicht lange im Land bleiben wollte. Auch eine Auslandsüberweisung funktionierte nicht. Am Ende blieb mir nur, mein Notfallgeld und die restlichen türkischen Lira zusammenzukratzen, um damit zu bezahlen. Zunächst zögerten die Betreiber, doch schließlich akzeptierten sie das Geld. So war ich meine letzten Lira los – und konnte endlich starten.

Die Strecke führte mich durch atemberaubende, aber anspruchsvolle Berglandschaften. Die Anstiege waren zäh, doch die Aussicht entschädigte. Rechts von mir zogen dunkle Wolken auf, es regnete dort stark, während ich noch im Trockenen unterwegs war – begleitet von frischem Wind. Als ich den höchsten Anstieg des Tages geschafft hatte, kam der Regen auch zu mir – etwa 30 Kilometer vor Tiflis setzte er heftig ein. Das ärgerte mich sehr, denn ich hatte mich auf eine trockene Einfahrt in die Hauptstadt gefreut.

Doch es war, wie es war. Ich wurde klatschnass, hatte aber auch keine Lust mehr, meine Regenhose, Überschuhe und Kapuze anzuziehen. Auf über 1300 Metern wurde es zudem spürbar kälter. Meine Hände waren irgendwann so steif, dass ich kaum noch meine Kamera bedienen konnte.

Als ich schließlich Tiflis in der Ferne sah und der Regen langsam nachließ, stieg meine Motivation wieder. Die letzten Kilometer ging es steil bergab – die Temperaturen wurden angenehmer, aber auch der Verkehr dichter. In der Stadt herrschte ein regelrechtes Verkehrschaos, das für mich als Radfahrer gefährlich war. Zum Glück konnte ich die Busspuren nutzen, die mich etwas vom Autoverkehr abschirmten. Ohne sie wäre ich nur schwer und deutlich riskanter durchgekommen.

Kurz darauf erreichte ich die Unterkunft – und dort warteten meine Eltern auf mich, die mich für ein paar Tage in Tiflis besuchen. Nach zwei Monaten unterwegs war es ein wunderschöner, emotionaler Moment, sie wiederzusehen. In der Wohnung nahm ich erst einmal eine warme Dusche und machte mich frisch.

Am Abend gingen wir gemeinsam essen und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Nach 90 Kilometern und über 1200 Höhenmetern fiel ich wie so oft müde, aber glücklich ins Bett.