Ein Hüttenabend auf 2160 Metern
Die Sonne strahlte durch mein Zelt und weckte mich sanft. Ich wusste sofort: Heute wird ein guter Tag. Ich öffnete den Reißverschluss, streckte mich, trat hinaus – und staunte nicht schlecht über die Aussicht, die sich mir bot. Mein Schlafplatz, der gestern noch im Dämmerlicht versteckt lag, offenbarte jetzt seine ganze Pracht: Weite, Berge, Stille.
Mein Frühstück war eher spartanisch – ein paar Kekse, ein paar süße Reste aus der Tasche. Nicht das üppigste Mahl, aber genug, um mich auf den Tag einzustimmen. Denn der hatte es in sich: Zwei Anstiege standen bevor, beide über 2000 Meter hoch.
Der erste Anstieg brachte mich auf 2140 Meter – steil, herausfordernd, aber wunderschön. Die weiße Berglandschaft, die klare Luft, die Sonne über mir – es war, als wäre ich in einer anderen Welt. Der leichte Rückenwind tat sein Übriges und schob mich sanft die Höhenmeter hinauf.
Nach dem ersten Gipfel ging es runter ins Tal – auf 1500 Meter – nur um danach gleich den zweiten Anstieg auf 2160 Meter in Angriff zu nehmen. Die Beine brannten, aber mein Kopf war ruhig. Diese Landschaft, diese Luft, dieser Moment – es war jeden Tropfen Schweiß wert.
Eigentlich wollte ich nach dem zweiten Gipfel weiter nach Erzincan rollen und mir auf dem Weg dorthin einen Schlafplatz mit Aussicht suchen. Doch es kam anders.
Oben auf dem Gipfel, ganz in der Nähe der Straße, entdeckte ich ein kleines Häuschen auf einem Hügel. Neugierig stellte ich mein Fahrrad ab, kletterte hinauf und schaute nach, ob die Tür offen war. Sie stand sperrangelweit offen – für mich das Zeichen: Willkommen.
Ich holte mein Fahrrad und meine Taschen, machte es mir im Inneren gemütlich – zumindest so gemütlich, wie es ging. Der Boden war dreckig, also fegte ich erst einmal durch. Die Fenster waren milchig vor Staub und Dreck, doch da kam der Deutsche in mir durch: Ich zückte meinen Fahrradschwamm, putzte die Fenster, trocknete sie mit ein paar Blättern Klopapier, und siehe da – plötzlich hatte ich freie Sicht auf die verschneiten 4000er in der Ferne. Ich glaube, so sauber waren diese Fenster lange nicht mehr. Es fühlte sich gut an, diesem verlassenen Ort etwas Liebe zu schenken.
Dann saß ich da – am Fenster – mit Blick auf ein atemberaubendes Panorama. Die Sonne ging langsam unter, tauchte die Gipfel in goldene Töne, während ich einfach nur da war.
Ich legte mich schließlich auf das alte Sofa, das ich in der Hütte gefunden hatte. Und während draußen die Nacht über die Berge zog, hoffte ich auf eine ruhige Nacht in meinem selbstgewählten Hochlager.






