Abschied mit Aufwind – Ballonfahrt, Berge und ein Platz am Salzsee
Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker. Noch im Halbschlaf schlüpfte ich in die am Abend zuvor bereitgelegten Sachen, schnappte meine Ausrüstung und trat in die kühle Dunkelheit vor dem Hotel. Der Shuttlebus zur Ballonfahrt stand schon bereit – gut organisiert, denn bei über hundert Ballons, die täglich starten dürfen, herrscht sonst pures Chaos.
Die Stimmung war wie kurz vor Mitternacht an Silvester: ein leises Knistern in der Luft, gespannte Vorfreude, Menschen in Stille vereint – nur dass hier nicht das neue Jahr erwartet wurde, sondern der Moment, in dem man abhebt.
Und dann ging alles ganz schnell: Ich stand im Korb, gemeinsam mit 19 anderen. Es war ein Komfort-Ballon – nicht ganz so überfüllt wie die Standard-Version mit bis zu 30 Leuten. Ein glücklicher Zufall, denn ich hatte nicht gewusst, was mich erwartet. Genauso viel Glück hatte ich mit dem Preis – 220 Euro statt der 350+, die tags zuvor aufgerufen wurden. Immer noch viel, aber das Erlebnis: unbezahlbar.
Langsam schwebten wir in die Höhe, bis auf 1400 Meter. Der Himmel färbte sich mit jeder Minute mehr in warmes Orange, die Sonne kroch über den Horizont – und unter mir erstreckte sich die gesamte Magie Kappadokiens. Täler, Felsen, Höhlen, Ballons um uns herum. Es war, als hätte jemand eine riesige Schneekugel geschüttelt – nur dass sie in diesem Moment still stand. Ein perfekter Abschluss.
Nach einer Stunde landeten wir sanft. Es gab eine kleine Zeremonie mit Urkunde, Sekt (naja, eher Wein) und Frühstücksbeutel – charmant kitschig, aber irgendwie süß.
Mit diesem Erlebnis konnte ich meinen inneren Kappadokien-Haken setzen: Ich war gewandert, getourt, geklettert, durch Schnee, Regen, Hagel, Sonne marschiert – hatte alles gesehen, von unten, von oben, von mittendrin. Es war Zeit, weiterzuziehen.
Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich vom Hotel und fuhr noch kurz beim Diadem Hostel vorbei. Dort war ich am Vortag auf einen Tee eingeladen worden – eine letzte Tasse, ein letzter herzlicher Blick, bevor es endgültig hieß: Tschüss Kapadokien.
Mein Weg führte mich weiter in den Osten der Türkei. Die ersten 80 Kilometer rollte ich auf Highways – nicht besonders spannend, aber effizient. Erst nach 81 Kilometern fand ich eine Gelegenheit zur Pause. An einer kleinen Abzweigung tankte ich bei einem Supermarkt Snacks und Wasser nach. Doch Wasser gab’s keins. Der Besitzer verwies mich an einen Dönerladen nebenan. Dort wurde ich mit offenen Armen empfangen – und obwohl ich eigentlich schon gegessen hatte, wurde mir ein vegetarisches Menü aus Reis, Salat, Gemüse und Pommes aufgetischt. Ich konnte nicht Nein sagen. Und ja – es passte noch rein.
Nach ein paar gemeinsamen Fotos mit dem Team rollte ich weiter – bei strahlender Sonne und langsam wieder knapper werdender Energie. Auf der Karte hatte ich einen vielversprechenden Ort entdeckt: den Tuzla Gölü, einen Salzsee zwischen Bergen. Was ich nicht gesehen hatte: dass ich erst einen mächtigen Anstieg vor mir hatte. Die Steigung zog mir den letzten Saft aus den Beinen. Ich kam in ein Energieloch. Die einfachsten Tritte wurden zur Qual, mein Atem pumpte, mein Kopf wurde leer.
Doch wie so oft lohnte sich die Mühe. Oben angekommen, öffnete sich der Blick auf den See – still, spiegelnd, umgeben von weiter Natur. Ich rollte die letzten Kilometer bergab, fuhr noch ein Stück am Ufer entlang, bis ich eine Stelle fand, die perfekt war: ein Platz neben einer alten Schaftränke, trockener Boden, guter Untergrund für mein Zelt.
Ich war noch satt vom Dönerladen und kochte nichts mehr. Stattdessen saß ich da, während die Sonne unterging und die ersten Vögel – Schwalben oder vielleicht Ziegenmelker – ihr abendliches Summen begannen. Ein vibrierendes, fast außerweltliches Geräusch, das mich langsam in den Schlaf begleitete.










