Tag
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Warmherziger morgendlicher Empfang, viel Regen und rettende Unterkunft am Abend

Am heutigen Morgen wurde ich durch ein Klopfen geweckt – Beryasin, der Deutsch-Türke von gestern, stand vor der Tür. In den Händen hielt er ein liebevoll zusammengestelltes Frühstück: Tomaten, Gurken, Oliven, süßes Gebäck, Fladenbrot, Wurst, Schafskäse und Eier. Aus den Eiern zauberte ich mir in der kleinen Pfanne ein Rührei, das Fladenbrot genoss ich mit meiner mitgebrachten Erdnussbutter. Doch ich kam gar nicht dazu, alles aufzuessen – es klopfte erneut. 
 
Ein weiterer Bekannter von gestern, Arif, stand vor der Tür und lud mich herzlich zu sich nach Hause ein. So ließ ich das erste Frühstück stehen und wurde direkt zum nächsten gebracht. Auch bei Arif war der Tisch reich gedeckt, und ich konnte erneut nicht widerstehen. Zwei Frühstücke, zwei große Portionen Herzlichkeit – und mein Magen war bestens versorgt. 
 
Draußen regnete es noch immer. Trotzdem fuhren Arif und ich gemeinsam zur kleinen Hütte zurück. Ich packte meine Sachen, zog meine Regenkleidung an – und just in dem Moment, als ich starten wollte, hörte der Regen auf. Vorerst. 
 
Nach etwa 20 Kilometern, am Ufer des Beyşehir Gölü angekommen, schlug das Wetter plötzlich wieder um. Der Regen kam mit voller Kraft zurück, begleitet von kaltem Wind, der gegen mein Gesicht peitschte. Die atemberaubende Kulisse, die mich eben noch verzaubert hatte, wurde von Kälte, Nässe und Gegenwind verschluckt. 
 
Ich suchte kurz Zuflucht in einem kleinen Çiğköfte-Laden in Beyşehir, wo ich zwei Çiğköfte aß und mich etwas aufwärmte. Der Verkäufer gab mir den Tipp, die berühmte Eşrefoğlu-Moschee zu besuchen – und ich folgte seinem Rat. Die Moschee war beeindruckend: ein architektonisches Juwel aus Holz, voller Geschichte und Anmut. 
 
Doch danach wurde es hart. Der Regen ließ nicht nach, der Wind schien stärker zu werden, und die Kälte kroch mir langsam unter die Haut. Ich begann, nach einer warmen Schlafmöglichkeit zu suchen – aber die Gegend war wie ausgestorben. Ich klingelte mich durch ein kleines Dorf, doch niemand öffnete. Der Regen tropfte mir inzwischen durch die Ärmel. Die Hoffnung schien zu schwinden. 
 
Dann kam ich in Çukurağıl an – durchnässt, durchfroren, aber noch nicht entmutigt. Genau in diesem Moment hielt ein Auto hinter mir an. Ein älterer Herr stieg aus, und ich nutzte die Gelegenheit. Ich sprach ihn an, erklärte meine Situation und fragte, ob es irgendwo einen warmen Unterschlupf für die Nacht gäbe. Zunächst wollte er mich in der Moschee des Dorfes unterbringen, doch der Aufenthaltsraum war verschlossen, und der Imam nicht auffindbar. 
 
Also brachte er mich kurzerhand zu dem anderen älteren Mann, den er zuvor abgesetzt hatte. Und dort, in diesem einfachen, aber warmen Zuhause, fand ich schließlich Schutz. Der Ofen wurde für mich angeheizt, es gab warmes Essen, und meine müde, durchgefrorene Seele konnte endlich zur Ruhe kommen. 
 
Am Abend fiel der Regen langsam in Schnee über. Ich saß in der warmen Stube, der Kamin knisterte, draußen tanzten Schneeflocken durch die Dunkelheit – und ich war einfach nur dankbar. Für die Hilfe. Für das Vertrauen. Für diesen Moment.