Tag
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Schöne Mittelmeer-Strassen, eine nette Bekanntschaft und einen steilen Aufstieg

Heute Morgen erwachte ich nach einer erholsamen Nacht und blickte aus dem Fenster. Der Regen hatte immer noch nicht nachgelassen. Daher fasste ich einen Plan: Ich würde abwarten, bis der Regen nachlässt, und dann meine Reise antreten. Laut Wettervorhersage sollte dies etwa gegen 10:00 Uhr der Fall sein. In der Zwischenzeit genoss ich in Ruhe mein Frühstück mit Müsli und Obst. Nachdem ich meine Sachen zusammengepackt und den Riemen meines Fahrrads gepflegt hatte, war ich bereit, loszufahren.

Jedoch war der Regen nach wie vor unvermindert stark, und es schien nicht so, als würde er, wie von der Wetter-App angekündigt, bald nachlassen. So trat ich die Fahrt dennoch an, in der Hoffnung, dass der Regen in den nächsten ein bis zwei Stunden nachlassen würde. Doch das Wetter änderte sich erneut, und es war nun absehbar, dass der Regen den gesamten Tag über anhalten würde. Glücklicherweise war der Niederschlag heute nicht so intensiv wie am Vortag, sondern eher konstant und ohne die erhofften Regenpausen.

Der zweite Tag im Dauerregen stellte sich als ebenso anstrengend heraus wie der erste. Der Regen raubt erstaunlich viel Energie. Die Pausen sind stets unangenehm kalt, und beim Fahren schwitzt man durch die Isolierschichten, sodass man von innen und außen nass ist. Das Problem von gestern mit den nassen Socken, die durch das Wasser, das in die Schuhe und durch die wasserdichten Überzieher eindrang, gelöst zu haben, war heute von großem Vorteil. Ich hatte anfangs gedacht, dass die wasserdichten Fahrradsocken lediglich unnötiges Gepäck wären, doch heute bewährten sie sich als äußerst nützlich. Zwar drang auch Wasser in meine Schuhe, doch die Socken hielten meine Füße trocken, sodass sie nicht so aufweichten wie am Vortag.

Wie auch gestern legte ich immer wieder Pausen an Tankstellen und Supermärkten ein, um mich ein wenig aufzuwärmen und den ständigen Regen zu vermeiden. Am Mittag kehrte ich in einem kleinen Restaurant ein, wo ich Spinat mit Ei und Reis zu mir nahm. Diese Mahlzeit gab mir deutlich mehr Energie als die Schokokekse, die in den Supermärkten die einzige nennenswerte Energiequelle darstellten.

Auf meiner Fahrt passierte ich einige Berge, die von einer beeindruckenden Landschaft umgeben waren und einfach gigantisch wirkten. Leider konnte ich die Szenerie aufgrund des Regens und der in den Bergen hängenden Wolken nicht so genießen, wie ich es mir gewünscht hätte. Nach dem letzten steilen Anstieg des Tages erreichte ich einen kleinen Zwischenhalt zwischen zwei Bergen, wo sich eine weitere wunderschöne Aussicht bot. Plötzlich fuhr ich an einem kleinen Häuschen vorbei, das auf Stelzen stand und im oberen Bereich Fenster hatte. Ich dachte mir, wenn dieser kleine Raum nicht verschlossen wäre, wäre das mein Glückstag – und tatsächlich, die Tür war offen. Zu meinem Erstaunen war es dort auch deutlich wärmer als draußen.

Es stellte sich heraus, dass es sich um ein Gebetshäuschen handelte, das mit Teppichen ausgelegt war, was es einladend und angenehm machte. Dank des geschützten Raums musste ich mein Zelt nicht aufbauen und konnte meine Isomatte sowie meinen Schlafsack auspacken und die Nacht im Trockenen und ohne Kosten verbringen. Alles, was ich hoffe, ist, dass ich nicht in der Nacht oder am Morgen von einem Gläubigen überrascht werde, der hier sein Gebet verrichten möchte. In dieser abgelegenen Gegend, in der ich mich derzeit befinde, wäre es jedoch ein außergewöhnlicher Zufall, wenn ich genau heute Abend oder morgen früh auf jemanden treffen sollte.

Nun werde ich meine Abendroutine durchführen und mich dann zur Ruhe begeben.