Zwischen Klippen, Flamingos und politischen Spannungen – Mein Tag auf dem Weg nach Izmir
Am frühen Morgen wachte ich mit Blick auf das ruhige Mittelmeer auf meiner Klippe auf. Die Sonne kämpfte sich durch graue Wolken, denn der Wetterbericht hatte für heute Regen angekündigt. Deshalb packte ich zügig meine Sachen zusammen – mit dem Wunsch, noch trocken loszufahren. Zum Glück blieb es vorerst ruhig.
Zum Frühstück gab’s heute mal etwas Abwechslung: Statt Keksen ein Becher Joghurt mit Müsli und frischem Obst – ein kleiner Luxus, den ich sehr genossen habe. Doch die Idylle hielt nur kurz. Bereits nach 500 Metern merkte ich, dass mein Vorderreifen rapide an Luft verlor – bis er schließlich komplett platt war. Ich hatte schon am Vortag ein komisches Fahrgefühl bemerkt, aber jetzt war klar: Der Reifen war hinüber.
Also alles abladen, das Vorderrad ausbauen, den Schlauch wechseln, wieder aufpumpen – Routine für einen Radreisenden wie mich, aber eben doch lästig. Danach konnte es endlich weitergehen in Richtung Izmir.
Unterwegs wurde ich trotz immer wieder einsetzender Schauer mit spektakulären Ausblicken belohnt. Besonders beeindruckend war ein riesiges Naturschutzgebiet mit Wattlandschaften und flachem Wasser. Dort sah ich plötzlich – völlig unerwartet – eine riesige Gruppe Flamingos! Hunderte standen dort im Wasser, suchten nach Nahrung oder standen einfach still da. Diese eleganten Tiere in freier Wildbahn zu sehen, war ein unvergesslicher Moment. Viel schöner und würdevoller als in einem Zoo.
Nach dieser ausgedehnten Beobachtungspause rollte ich weiter in die Großstadt. In Izmir angekommen, wurde ich im Hotel freundlich empfangen – samt Begrüßungstee. Nach vier Tagen Wildnis freute ich mich besonders auf eines: eine Dusche! Nach mehreren Tagen mit Schichten aus Sonnencreme, Staub und Schweiß fühlte ich mich wie eine Salzkruste auf zwei Rädern. Die Dusche war wie eine Wiedergeburt.
Am Nachmittag machte ich mich zu Fuß auf, um Izmir zu erkunden. Die Stadt ist riesig – über 4 Millionen Einwohner, die sich um einen weiten Meerbusen verteilen. Der Verkehr war chaotisch, fast wie in Istanbul – ein echtes Abenteuer mit dem Fahrrad. Aber mittendrin fand ich auch ruhige, schöne Straßen und schließlich eine lebendige Promenade am Meer mit vielen Restaurants.
Ich gönnte mir ein Kumpir – diese gefüllte Ofenkartoffel, die ich in Istanbul entdeckt hatte – und holte mir anschließend ein paar Sesamringe, mit denen ich mich an die Küste setzte, um die tiefer stehende Sonne zu genießen.
Zum Abendessen gab’s eine frische Pita, und zum Nachtisch ein Eis – perfekter Abschluss eines abwechslungsreichen Tages.
Auf dem Rückweg zum Hotel fiel mir auf, dass viele Polizeieinheiten in der Stadt unterwegs waren. Der Grund dafür war ernst: Präsident Erdoğan hatte völlig überraschend seinen politischen Rivalen Ekrem İmamoğlu, den Bürgermeister von Istanbul, verhaften lassen. Die Nachricht verbreitete sich schnell, und in der Bevölkerung brodelte der Unmut. Es war ein beunruhigender, trauriger Beweis dafür, wie brüchig Demokratie sein kann, wenn Macht missbraucht wird.
Mit all diesen Eindrücken – Naturwunder, Begegnungen, Pannen, Großstadttrubel und politischen Spannungen – fiel ich abends erschöpft, aber dankbar ins Bett.





