Tag
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Ein Tag voller Matsch, Magie und Menschlichkeit 

Heute Morgen bin ich in schönster Kulisse direkt am Strand aufgewacht. Noch leicht verschlafen ließ ich meine Drohne in die Luft steigen, um die traumhafte Szenerie einzufangen. Während der Sonne langsam über dem Meer aufging, machte ich mir ein Frühstück – mit Blick auf das Wasser und das sanfte Rauschen der Wellen. Einziger Wermutstropfen: Die ersten Mücken meiner Reise waren auch schon wach und machten mir das Leben ein wenig schwer. Also hieß es: schneller packen als sonst und rauf aufs Rad. 

Zu Beginn der Etappe ging es gleich wieder einige Berge hinauf. Mein GPS schickte mich irgendwann auf einen kleinen Pfad durch Olivenbaum-Plantagen. Der Weg bestand aus gehärtetem Matsch, war aber gut befahrbar – wenn auch langsam. Nach etwa einem Kilometer kamen mir zwei Bauern mit ihren Traktoren entgegen. Einer von ihnen hielt an und sprach mich mithilfe einer Übersetzungs-App an. Er riet mir dringend, nicht weiterzufahren, da der Weg bald sehr matschig werde. Ich erklärte ihm, dass ich solche Wege mag – abseits der großen Straßen, mitten im Abenteuer. Er lächelte nur, sagte „Tamam“ – also „okay, wie du willst“ – und fuhr weiter. 

Wenige hundert Meter später wusste ich genau, was er meinte. 

Der gehärtete Boden wurde zu weichem, lehmigen Matsch. Meine Reifen versanken, der Matsch klebte an den Schutzblechen, blockierte die Räder und sammelte sich wie Kleber überall an. Ich musste meine Schuhe von der dicken Lehmschicht befreien, um sie überhaupt wieder in die Klickpedale zu bekommen. Immer wieder folgten matschige Passagen, aber irgendwie kämpfte ich mich durch – Meter für Meter. Oben am Gipfel wurde ich dann belohnt: Ich fuhr durch idyllische, fast ausgestorbene Dörfer und genoss eine traumhafte Abfahrt durch wilde Natur, eingerahmt von schön geformten Bergketten. 

Unten in der Ebene angekommen, ging es weiter auf der Straße. Zu meiner Linken und Rechten lagen grüne Wiesen, darüber die Hügel in voller Pracht – ein herrlicher Anblick. Nach einer Weile kam ich durch ein kleines Dorf, wo ich in einem Mini-Markt Proviant kaufte. Plötzlich standen sieben neugierige Kinder um mich herum. Sie stellten mir Fragen auf Türkisch, die ich nur erahnen konnte, und freuten sich riesig, mit mir zu sprechen. Einer der Jungs schenkte mir ein Eis – das ich natürlich direkt mit großem Genuss verputzte. 

Der Trubel der Kinder blieb nicht unbemerkt. Ein etwa 35-jähriger Mann aus dem Dorf kam auf mich zu – er sprach Englisch und fragte, ob ich Zeit für einen Tee hätte. Hatte ich. Aus einem Tee wurden zwei, und wir unterhielten uns bestimmt eine Stunde lang. Es war wieder einer dieser Momente, die mich so sehr an dieser Reise begeistern: die Offenheit, die Herzlichkeit, das ehrliche Interesse. 

Am späten Nachmittag fuhr ich noch ein Stück weiter an der Küste entlang. Kurz vor Aliağa entdeckte ich einen wunderschönen Schlafplatz – direkt auf einer Klippe mit Blick auf das Mittelmeer, mitten in der Natur. Ich erkundete die Umgebung ein wenig zu Fuß und machte mir dann mein Abendessen – mit einer Aussicht, die jeden Campingplatz der Welt blass aussehen lässt.