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Von Nordmazedonien nach Griechenland – Wind, Kälte und Vogelparadies

Am Morgen erwachte ich in der windgeschützten Ruine ohne Dach bei äußerst ungemütlichen Bedingungen: Sturmböen peitschten um die Mauern, und das Thermometer zeigte kaum drei Grad Celsius. Ein schnelles Frühstück aus ein paar Keksen genügte, um mich für die Weiterfahrt zu stärken.

Schon bei den ersten Anstiegen fühlte ich den eisigen Gegenwind unablässig in mein Gesicht schlagen. Tief hingen die Wolken zwischen den Bergen, und an jeder Anhöhe oberhalb von 800 Metern radelte ich mitten durch feuchte Nebelschwaden und stürmische Böen – alles andere als angenehm, doch unvermeidlich.

Nach einigen Kilometern erreichte ich den Dojransee, die erste größere Wasserfläche Nordmazedoniens. Kaum hatte ich das Ufer passiert, stand ich bereits an der Grenze zu Griechenland und damit wieder im Schengen-Raum und in der Europäischen Union.

Nur wenige Kilometer weiter erwartete mich der Kerkini-See – ein wahres Naturparadies und offiziell als Nationalpark ausgewiesen. In den ersten, noch milden Wintertagen erwachte hier die Tierwelt zu neuem Leben: Ich beobachtete zahlreiche Mittelmeermöwen, balzende Haubentaucher, über fünfzig Krauskopfpelikane, einige Seidenreiher, viele Enten – und unzählige Straßenhunde. Tatsächlich stellt streunender Hundebestand in Griechenland ein weitaus größeres Problem dar als in anderen Balkanländern.

Am Abend nutzte ich das klare Wasser des Kerkini-Sees für eine erfrischende Waschung. Doch kaum war ich aus dem Wasser, kroch mir die Kälte in die Glieder, und ich verkrümelte mich rasch in meinen Schlafsack. In der Nacht machte ein streunender Hund die Runde um mein Zelt, angelockt vom Geruch meiner Vorräte. Mit meinem Fahrrad-Alarm und lauten Tönen über die Fernbedienung konnte ich ihn jedoch erfolgreich vertreiben.