Ein weiterer Tag in Nordmazedonien – zwischen Gipfeln, Hochebene und Regen
Am Morgen startete ich mit einem mulmigen Gefühl in den Tag: Würde das Problem mit den Schrauben heute erneut auftreten? Ich hoffte inständig, dass nicht. Mein Weg führte mich zunächst durch die Berge hinauf auf die Hochebene Mazedoniens.
Der erste große Anstieg brachte mich auf knapp 1.300 Höhenmeter. Während ich mich mühsam hinaufkämpfte, zogen dichte Wolken durch die über 2.000 Meter hohen Gipfel und entluden sich über mir. Den heftigen Regen spürte ich sowohl beim kräftezehrenden Aufstieg als auch beim stürmischen Abstieg, begleitet von Windböen bis 60 km/h. Hinzu kam ein Temperatursturz auf nur noch 12 °C – bei Nieselregen und Sturm war das Radfahren kaum mehr angenehm.
Doch als ich die Hochebene erreichte, vergaß ich die Kälte und den Regen für einen Moment: Überall um mich herum erstreckte sich eine grandiose Berglandschaft mit unzähligen Formen und Farben. Ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Selbst hier oben blieben Wind und Nieselregen meine ständigen Begleiter, doch die atemberaubende Aussicht machte jeden Tropfen wett.
Schließlich führte mich die Strecke über den letzten großen Berg zurück in tiefere Gefilde: Eine phänomenale Abfahrt ließ mich in kürzester Zeit von 1.000 auf 250 Meter sinken. Kaum hatte ich das Tal erreicht, setzte erneut Regen ein – und hielt an, bis ich gegen 16:30 Uhr einen geeigneten Schlafplatz suchte.
Nach 135 Kilometern und rund 1.300 Höhenmetern suchte ich zunächst vergeblich nach einer alten Baracke mit Dach. Schließlich entdeckte ich jedoch die Ruine eines gemauerten Gebäudes, das ausreichend Schutz vor dem nächtlichen Wind bot. Dort schlug ich mein Zelt auf, kochte mir eine Portion Nudeln und genoss den Blick auf die umliegenden Hügel und Berge. Müde, aber zufrieden, kroch ich in meinen Schlafsack und freute mich auf eine hoffentlich ruhigere Nacht.




