Tag
1

Am Morgen bemerkte ich, dass der Strand voller Hühnergötter war – Steine mit einem natürlichen Loch in der Mitte, die als Glücksbringer gelten. Manche Menschen fertigen daraus Ketten an. Ich nahm mir ebenfalls ein paar kleinere Steine mit, in der Hoffnung, dass sie mir auf meiner weiteren Reise Glück bringen würden.

Der Start in den Tag verzögerte sich allerdings, da ich die Hülle meiner Zeltheringe nicht finden konnte und mein Garmin-Navigationsgerät nicht richtig funktionierte. Dadurch verpasste ich leider die ursprünglich geplante Fähre. Doch so blieb mir zumindest etwas mehr Zeit für ein entspanntes Frühstück.

Mit der nächsten Fähre setzte ich schließlich wieder zum Festland über und erreichte Biograd. Von dort führte mich meine Route entlang der Küste, über einige Hügel und Berge, durch Šibenik in Richtung Split. Kurz vor Split erwartete mich noch ein anspruchsvoller Anstieg mit vielen Höhenmetern auf ein Hochplateau. Am höchsten Punkt des Passes beschloss ich, mit einer beeindruckenden Aussicht mein Zelt aufzuschlagen.

Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich von Heulen geweckt. Da ich bislang keine Straßenhunde in der Gegend gehört hatte und die nächsten Dörfer mehrere Kilometer entfernt waren, mussten es Wölfe sein, die hier in den Bergen lebten. Als ich kurz aufstand, um auf die Toilette zu gehen, scheinen sie mich bemerkt zu haben – ihr Heulen und Bellen wurde lauter und schien in meine Richtung zu kommen. Dieses Erlebnis war besonders eindrucksvoll. Obwohl ich die Wölfe weder sah noch sie sich mir näherten, fühlte ich mich in diesem Moment tief mit der Natur verbunden.