Regen, Reparaturen und ein langer Tag auf der Straße
Heute wachte ich im Zelt bei Regen auf. Eigentlich hatte ich gehofft, dass es am Morgen trocken sein würde und erst am Mittag wieder anfängt zu regnen – aber daraus wurde nichts. Also blieb mir nichts anderes übrig, als alles im Zelt zu verpacken, während es draußen weiterregnete. Eine ziemlich ungemütliche Angelegenheit, da ich versuchte, so wenig Nässe wie möglich ins Innere zu bringen. Das Überzelt war ohnehin schon völlig durchnässt, und trotz aller Vorsicht wurde schließlich auch das Hauptzelt feucht. Ich wusste, dass ich beides am Abend unbedingt trocknen müsste.
Nachdem ich im Regen alles abgebaut hatte, blieb ich noch einen kurzen Moment stehen, um den Blick auf den malerischen Strand, an dem ich allein übernachtet hatte, zu genießen. Dann ging es – komplett in Regenkleidung – wieder auf die Straße.
Der Tag begann mit vielen Kilometern auf kleinen Straßen durch Dschungel, Palmölplantagen und wilde Natur. Später, ab der Stadt Chumphon, führte der Weg wieder über größere Straßen. In der Stadt suchte ich zunächst einen Fahrradladen, den ich im Vorfeld recherchiert hatte, da er angeblich ein gutes Sortiment an internationalen Ersatzteilen führen sollte. Doch dort bekam ich eine Absage – kein passendes Tretlager auf Lager. Obwohl mein Tretlager ein universelles Modell ist, hatte er nichts Passendes. Er empfahl mir einen anderen Laden, doch auch dort blieb die Suche erfolglos.
So verlor ich rund anderthalb Stunden mit Warten und Suchen. Etwas enttäuscht setzte ich meine Fahrt fort. Ich hoffe nun, dass mein Tretlager die nächsten Etappen ohne Probleme durchhält. Spätestens in Kuala Lumpur sollte sich eine Lösung finden – bis dahin werde ich einfach in jeder größeren Stadt erneut mein Glück versuchen. Irgendwo wird sicher jemand das passende Teil haben.
Auf meinem weiteren Weg fuhr ich durch viele Palmenplantagen und kam an prächtigen Tempeln vorbei, die mitten im Nirgendwo standen. Plötzlich hielt ein Auto neben mir an, während ich auf einem abgelegenen Weg durch die Plantagen fuhr. Der Fahrer fragte mich, ob ich Proteinkapseln kaufen möchte. Ich lehnte freundlich ab, doch nach kurzem Überlegen drückte er mir trotzdem eine Schachtel in die Hand. Ob ich jemals eine davon nehmen werde, bezweifle ich – schließlich weiß ich weder etwas über die Produktionsbedingungen noch über die Inhaltsstoffe.
Unterwegs sah ich wieder viele Vögel, darunter Braunlieste, Zwergspinte und sogar einige Bienenfresser. Diese Begegnungen erinnerten mich an meine Zeit in meiner Heimatstadt, als ich über drei Jahre lang dort die heimische Vogelwelt filmte und dokumentierte.
Nach einiger Zeit endeten die naturbelassenen Wege, und ich musste zurück auf den Highway. Dort fuhr ich dann den Rest des Tages, um die durch das Warten verlorene Zeit aufzuholen. Nach 140 Kilometern erreichte ich bei einsetzender Dämmerung die kleine Stadt La Mae.
Ich suchte mir eine Pension, die mit 490 Baht zwar die günstigste im Ort war, aber immer noch über meinem Zielbudget lag. Ich versuchte, den Preis herunterzuhandeln, doch die Besitzerin blieb hart. Schließlich bezahlte ich den Betrag – rund 13 Euro – und bekam dafür immerhin ein großes Zimmer im Erdgeschoss, das den Preis am Ende durchaus wert war.


