Tag
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Von Laos nach Thailand – Tempel, Zucker und ein rettender Halt für einen Tausendfüßler


Heute Morgen stand ich wieder früh auf und spürte noch deutlich die Anstrengung des gestrigen, abenteuerreichen Tages. Zum Glück führte die Strecke heute größtenteils über asphaltierte Straßen, was meinen müden Beinen sehr entgegenkam.

Ich fuhr an unzähligen Tempeln vorbei – manche goldglänzend, andere schlicht und in den Dschungel eingebettet. Immer wieder hielt ich an, um sie mir genauer anzusehen, besonders wenn die Eingangstore offen standen. Ich liebe diese friedliche Atmosphäre, die rund um die Tempelanlagen herrscht – die Gebete, der Duft von Räucherwerk, das ferne Läuten kleiner Glocken.

Je näher ich der größeren Stadt Pakse kam, desto dichter wurde der Verkehr. Auf den Märkten herrschte reges Treiben – Frauen verkauften frisches Gemüse, Männer luden Reisballen auf alte Mopeds, und überall roch es nach gegrilltem Fleisch und Erde. Man merkt deutlich, dass viele Menschen in Laos noch von der Landwirtschaft leben.

Nach einer Brücke führte mich die Strecke wieder hinaus in ländlichere Regionen, und die Grenze zu Thailand kam immer näher. Unterwegs legte ich bei Kilometer 30 und 75 Pausen ein – mehr aus Not als aus Hunger, denn die Auswahl war gering. Es gab nur Softdrinks, Eis und ein paar abgepackte Snacks. So bestand mein Mittagessen heute aus mehreren Softdrinks und zwei eingeschweißten Eiswaffeln – Zucker pur, aber immerhin kalt.

An der Grenze verlief alles erstaunlich unkompliziert. Mit einem Visa on Arrival durfte ich problemlos einreisen – und sofort fiel mir auf, wie sich die Straßen änderten: perfekt geteert, kaum Schlaglöcher, und plötzlich tauchten überall Seven-Eleven-Stores auf. Endlich wieder etwas mehr Auswahl! Ich kaufte mir frisches Essen, Obst und Wasser – das tat richtig gut.

Allerdings machte sich heute mein Sattel wund. Eine Druckstelle zwischen Polster und Haut schmerzt zunehmend, was das Fahren ziemlich unangenehm macht. Ich hoffe, dass ich das mit ein paar Tagen Pflege und Umsicht wieder in den Griff bekomme, bevor es schlimmer wird.

Auf dem Weg zur ersten größeren Stadt nach der Grenze hatte ich dann ein außergewöhnliches Erlebnis: Plötzlich sah ich auf der Straße den größten Tausendfüßler, den ich je gesehen habe – länger als meine ausgestreckte Hand und dick wie ein Finger. Er kroch geradewegs in Richtung Straßenmitte, wo er unweigerlich überfahren worden wäre. Also hielt ich an und rettete ihn, indem ich ihn vorsichtig zurück ins Gras am Straßenrand setzte. Es wäre zu schade gewesen um dieses faszinierende Tier. Für solche Momente halte ich immer gerne an – sie gehören für mich genauso zur Reise wie die Kilometer selbst.

Danach ging es weiter über einige hügelige Abschnitte rund um den Sirindhornsee. Ich nahm eine kleine Abkürzung, die mich über schmale, asphaltierte Wege durch kleine Dörfer und wunderschöne Natur führte. Auf einer Brücke über einen See sah ich plötzlich einen Wasserbüffel, der gemütlich im Wasser lag, nur sein Kopf ragte heraus. Er schien das Leben in vollen Zügen zu genießen – und bei der heutigen Hitze konnte ich ihn nur zu gut verstehen.

In Phibun Mangsahan angekommen, besorgte ich mir zunächst eine SIM-Karte und Bargeld am Automaten. Danach fand ich eine günstige Unterkunft, gönnte mir ein leckeres, stärkendes Abendessen und schnitt anschließend noch mein tägliches Kurzvideo. Auch meinen Blog brachte ich auf den neuesten Stand.

Erschöpft, aber zufrieden über die vielen neuen Eindrücke, legte ich mich schließlich ins Bett – dankbar, nach all den Strapazen der letzten Tage wieder in ruhigerem Fahrwasser zu sein.