Ankunft in Laos – Staub, Berge und grenzenlose Stille
Am heutigen Morgen ging es wieder früh für mich aus dem Bett, auf das Fahrrad und in Richtung Grenze zu Laos. Vor mir lagen noch rund 20 Kilometer und einige steile Hügel, die ich bezwingen musste, bevor ich die Grenze erreichte. Nach den ersten kräftezehrenden Anstiegen kam ich schließlich am vietnamesischen Grenzposten an.
Da sich der Stempelposten für die Ausreise irgendwo versteckt im Gebäude befand, musste ich zunächst auf die laotische Seite fahren – nur um dann wieder 200 Meter zurück geschickt zu werden. Nach diesem kleinen, aber unnötigen Hin und Her hatte ich schließlich alle Stempel beisammen und wurde mit meinem Visum für Laos durchgewunken.
Schon wenige Meter hinter der Grenze fiel mir der Unterschied sofort auf: Die Straßen waren deutlich schlechter, oft nur aus Schotter bestehend – eine echte Herausforderung mit meinen Asphaltreifen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass der große Anstieg bald geschafft wäre, doch der vermeintliche „500-Meter-Berg“ entpuppte sich als endlose Abfolge kleiner Steigungen: 20 Meter hinauf, 10 Meter wieder hinunter, immer und immer wieder. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den höchsten Punkt erreichte, zeigte mein Tacho 1.200 Höhenmeter an.
Die Landschaft hier im Dong Amphan Nationalpark ist wild, ursprünglich und beeindruckend unberührt. Nach der Grenze kam nur noch ein kleines Dorf, dann 70 Kilometer lang nichts – keine Menschen, keine Läden, keine Versorgung. Die Hitze und die feuchte Luft machten die Etappe besonders anstrengend. Ohne Nachschub an Softdrinks oder Wasser wurde es zunehmend kritisch.
Schließlich hatte ich gar kein Wasser mehr. Zufällig kam ich an einem einsamen Hof vorbei, wo eine Familie lebte. Dort durfte ich meine Flaschen wieder auffüllen – und bekam sogar noch eine Dose Bier geschenkt. Ich setzte mich etwas später an den Straßenrand, aß meine mitgebrachten Reserven und gönnte mir das kühle Bier. Da ich sonst so gut wie nie Alkohol trinke, hoffte ich, dass es mich nicht aus der Bahn werfen würde – zum Glück blieb alles ruhig.
Nach dieser kleinen Pause folgte noch ein weiterer Anstieg über 250 Höhenmeter. Die Straße blieb in miserablem Zustand, und die LKWs donnerten mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Schlaglöcher, als wären sie auf einer Rennstrecke. Ich musste ständig auf der Hut sein.
Als ich schließlich aus dem Nationalpark herauskam, führte mich eine lange Abfahrt in eine Tiefebene. Nach insgesamt 1.600 Höhenmetern fühlte sich das flache Terrain an wie eine Erlösung. Ich steuerte das erste Homestay an – doch dort wurde ich abgewiesen. Man verwies mich auf eine Unterkunft 5 Kilometer weiter, und tatsächlich fand ich dort bei Einbruch der Dämmerung endlich ein Bett.
Zum Glück hatte ich am Grenzübergang noch Geld gewechselt, denn Geldautomaten waren bisher weit und breit keine zu finden. Zum Abendessen ging ich in eine kleine Karaokebar gegenüber. Es war zwar Donnerstag und kaum etwas los, doch die Musik war laut genug, um das ganze Dorf zu beschallen. Ich aß mein Abendessen im Takt der dröhnenden Lautsprecher – ein etwas skurriles, aber irgendwie passendes Erlebnis für diesen Tag.
Zurück in meiner Unterkunft freute ich mich auf eine heiße Dusche, die mich von den Schichten aus Sonnencreme, Schweiß, Staub und Regen befreite. Danach machte ich noch mein Stretching, um meine Muskeln zu lockern. Nach dieser enorm anstrengenden Etappe fielen mir kaum die Augen zu – ich war völlig erschöpft, aber glücklich, mein erstes Ziel in Laos erreicht zu haben.








