Zwischen Hitze, Staub und grandiosen Ausblicken – Ein harter Tag in Nordvietnam
Am Morgen wurde ich von den Vögeln des Dschungels geweckt – der beste Wecker überhaupt. So stand ich um 6:30 Uhr auf, frühstückte ein wenig Gebäck vom Vortag und genoss dabei die atemberaubende Aussicht: Nebelschwaden im Tal, die gewaltigen Wälder ringsum und die Sonne, die langsam hinter den Bergen hervorkroch. Während ich mit der Drohne ein paar Aufnahmen dieser magischen Szenerie machte, gesellte sich ein Vietnamese zu mir. Er sprach kein Englisch, beobachtete mich aber neugierig und blieb eine Weile sitzen, ehe er weiterzog, um auf der Bergstraße seiner Arbeit als Straßenarbeiter nachzugehen.
Nachdem ich meine Sachen in Ruhe gepackt hatte, fuhr ich das letzte Stück hinauf auf den Pass, den ich am Vortag nicht mehr erreicht hatte. Von dort ging es zunächst steil bergab ins Tal. Schnell wurde mir klar, dass die Straßen in Nordvietnam keine Mittelwege kennen: sie führen entweder extrem steil hinauf oder ebenso steil hinunter.
Hinzu kam an diesem Tag gnadenlose Sonne. Kaum Wolken am Himmel, dafür 35 Grad, eine drückende Luftfeuchtigkeit und die Nähe zum Äquator, die die Strahlung noch intensiver macht. Besonders auf den steilen Anstiegen kostete mich diese Kombination jede Menge Kraft. Immer wieder musste ich im Schatten pausieren, um nicht zu kollabieren oder zu dehydrieren. Trotz aller Strapazen habe ich in den vergangenen Monaten noch nie eine Region als so herausfordernd empfunden wie Nordvietnam.
Erschwerend kam hinzu, dass viele Straßenabschnitte im Bau waren. Auf den Ausweichstrecken wirbelten LKW dichte Staubwolken auf, die sich auf meiner Haut in Schichten aus Sonnencreme, Schweiß und feinem Staub absetzten. An einigen Baustellen fielen mir chinesische und vietnamesische Flaggen auf – ein Hinweis darauf, dass der Straßenbau von China mitfinanziert wird. Vermutlich nicht ohne eigene Interessen im Nachbarland.
Zwischendurch boten kleine Flüsse in den Tälern eine willkommene Abwechslung, doch mein Hauptfokus lag an diesem Tag auf Versorgung: In nahezu jedem Dorf suchte ich nach einem Laden, um Softdrinks und Wasser zu kaufen. Bei dieser Hitze und Luftfeuchtigkeit trank ich über sechs Liter Flüssigkeit – und doch hätte es noch mehr sein können.
Nach einem letzten extrem steilen Anstieg, der mir die letzten Reserven raubte, erreichte ich schließlich Pho Rang. Für 5,50 € bekam ich dort ein einfaches Hotelzimmer, und schon 1,30 € reichten für ein warmes Essen. Frisches Obst für den nächsten Morgen rundete den Tag ab.
Erschöpft, staubig, aber glücklich, legte ich mich nach einer erfrischenden Dusche in das klimatisierte Zimmer. Es war der wohlverdiente Abschluss eines extrem anstrengenden Tages, der mir die Härte Nordvietnams in voller Intensität gezeigt hat.




