Tag
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Über die Wolken – Ankunft in Sapa und der Fansipan-Berg 
 
 
Nach meiner ersten Nacht in Vietnam frühstückte ich am Morgen ein wenig süßes Gebäck, da ich am Vortag in den Bergen keinen Supermarkt oder Kiosk mehr gefunden hatte. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und trug zunächst Fahrrad und Taschen über die Flussdurchquerung. Danach befestigte ich alles wieder am Rad und setzte meine Fahrt fort – es ging weiter den Berg hinauf in Richtung Sapa. 
 
Die Strecke war mit ihren 15 Kilometern und rund 750 Höhenmetern extrem steil. Kombiniert mit der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze war dies eine wahre Herausforderung. Der Schweiß lief mir in Strömen aus allen Poren, und mein Gesicht tropfte ununterbrochen, als säße ich in einer heißen Sauna. Entsprechend musste ich fortwährend trinken und griff immer wieder zu Softdrinks, um meinen Salz- und Mineralienhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Nach drei Stunden durch dichten Dschungel links und rechts der Straße erreichte ich schließlich Sapa – eine größere, touristisch geprägte Stadt. 
 
Zuerst suchte ich eine Pension mit Klimaanlage auf, in der ich endlich meine durch die feuchte Nacht klammen Sachen trocknen konnte. Da ich noch die Hälfte des Tages vor mir hatte, beschloss ich, auf den Fansipan zu fahren – mit 3141 Metern der höchste Berg Indochinas. Statt jedoch von Sapa auf 1500 Metern Höhe hinaufzuwandern, nahm ich die längste Drei-Seil-Umlaufbahn der Welt. Diese hält gleich zwei Guinness-Weltrekorde: die längste Strecke (6.292,5 m) und den größten Höhenunterschied (über 1.400 m). 
 
So konnte ich nach der sportlichen Anstrengung am Morgen den Aufstieg diesmal etwas entspannter genießen. Oben angekommen, befand ich mich über den Wolken, die sich tiefer in den Bergen sammelten – ein magischer Anblick. Immer wieder veränderte sich das Wetter: Mal waren Tempel und Pagoden vollständig in Nebel gehüllt, dann wieder brach die Sonne durch die Wolken. Ich spazierte auf schmalen Wegen vorbei an riesigen Buddha-Statuen und durch eine beeindruckende, von Dschungel geprägte Landschaft. 
 
Bei der Rückfahrt mit der Gondel ins Tal lernte ich Anaelle kennen, eine Französin, die derzeit zwischen Studienabschluss und Berufseinstieg im Bereich Elektroingenieurwesen steht und drei Monate durch Südostasien und Japan reist. Wir verstanden uns auf Anhieb gut, und die Kommunikation auf Englisch war völlig unkompliziert. So beschlossen wir, den Nachmittag gemeinsam zu verbringen. Von der Gondelstation liefen wir zurück in die Stadt, aßen in einem traditionellen vietnamesischen Restaurant und gönnten uns später noch ein Stück Kuchen, während wir das lebendige Treiben in Sapa beobachteten und uns ununterbrochen unterhielten. 
 
Diese Begegnung war eine willkommene Abwechslung – sie brachte eine Leichtigkeit und Vielfalt in meinen Alltag, den ich sonst eher zwischen intensiven Radtagen und stillen Pausen erlebe.