Grenzübertritt nach Vietnam und erste Eindrücke im Dschungel
Heute stand ich früh auf, da ich einen langen und ereignisreichen Tag vor mir hatte. Zunächst folgte ich noch einige Stunden dem Roten Fluss, stets begleitet von dem ständigen Auf und Ab der Straße. Auf dem Weg zur Grenze passierte ich gleich fünf chinesische Polizeikontrollen, an denen jedes Mal mein Pass überprüft wurde. Weshalb so viele Kontrollstellen notwendig waren, blieb mir unklar – vermutlich diente es eher der Abschreckung und der Machtdemonstration.
Kurz vor dem Grenzübergang gönnte ich mir noch ein Mittagessen und kaufte einige Vorräte ein. Die Ausreise selbst gestaltete sich als mühsam: Der Zugang war nicht auf Fahrräder ausgelegt, sodass ich mein Rad mehrere Treppen hinauf- und später wieder hinunterwuchten musste. Auch bei der Passkontrolle dauerte es, während um mich herum Vietnamesen mit riesigen, notdürftig zusammengebundenen Koffern anstanden. Schließlich durfte ich nach mehreren Sicherheitschecks weiterziehen und betrat vietnamesischen Boden.
Mein erster Weg führte mich zu einem Geldautomaten, den ich mir bereits auf der Offline-Karte markiert hatte. Dort hob ich 2 Millionen Vietnamesische Dong ab – rund 65 Euro. Im Anschluss besorgte ich mir eine SIM-Karte von Viettel, dem größten Anbieter im Land, der kurioserweise dem vietnamesischen Militär gehört. Mit 20 GB pro Tag war ich für 17 Euro bestens ausgestattet, auch wenn es nicht ganz günstig war.
Da ich noch Zeit und Energie hatte, entschied ich mich gegen eine Übernachtung in der Grenzstadt Lào Cai und begann den langen Aufstieg Richtung Sapa. Von 85 Metern Höhe ging es in steilen Serpentinen bis auf 750 Meter hinauf. Die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und die extremen Steigungen forderten mich stark. Unterwegs hoffte ich vergeblich auf ein Restaurant oder einen kleinen Supermarkt mit warmem Essen; stattdessen blieb es bei dem süßen Gebäck, das ich ohnehin noch bei mir hatte.
Am späten Nachmittag entdeckte ich schließlich einen kleinen Pfad, der zu einem alten Container oberhalb eines Flusses führte. Zwar war der Boden des Containers teilweise morsch, doch eine stabile Stelle bot gerade genug Platz für mein Zelt. Über mir hing ein Wespennest, was die Situation etwas spannender machte, doch ich konnte alles problemlos aufbauen. Zur Erfrischung setzte ich mich anschließend in die natürlichen Auswaschungen des Flusses und genoss das kalte Wasser nach dem schweißtreibenden Aufstieg.
Zum Abendessen blieb es bei Gebäck und einem Softdrink – mehr war heute nicht aufzutreiben. Schwitzend und müde legte ich mich schließlich ins Zelt und versuchte, in der tropischen Nacht Schlaf zu finden.




