Tag
1

Von 1.700 m auf 3.300 m – ein Tag zwischen Dschungelgefühlen und Regen


Heute startete ich bereits um 7:30 Uhr, da der Wetterbericht Regen ab 13:00 Uhr ankündigte. Mein Ziel: möglichst viele Kilometer trocken zurücklegen. Schon direkt aus dem Ort ging es bergauf – von 2.300 m auf 2.700 m. Die Straße schlängelte sich idyllisch durch die Wolken, die an den Bergen hingen, und verliehen der Landschaft eine fast magische Stimmung. An manchen Stellen stand das Regenwasser der Nacht noch so hoch, dass die Straße überschwemmt war.

Nach dem ersten Pass folgte eine kurze Abfahrt, bevor der zweite Anstieg des Tages bis auf 2.800 m führte. Danach kam eine lange, steile Abfahrt hinunter ins Tal auf 1.700 m. Die Serpentinen glühten meine Bremsen regelrecht durch, während sich die Wolken wie Schleier um die massiven Berghänge legten – ein Anblick, der mich trotz der Anstrengung tief beeindruckte.

Unten im Tal, nach rund 60 km und 800 Höhenmetern, machte ich eine kurze Pause. Die Temperatur war plötzlich auf 22 °C gestiegen und es fühlte sich feucht-warm an. Laut Wetter-App hätte es längst regnen sollen, doch die dichten Wolken hielten sich noch zurück – Glück für mich. Also aß ich schnell etwas und fuhr weiter, um noch möglichst viel im Trockenen zu schaffen.

Dann wurde es ernst: ultrasteile, winzige Betonwege, die sich zwischen Mais- und Gemüsefeldern die Hänge hochschlängelten. Stellenweise 15 % Steigung – mit meinem Gepäck eine echte Tortur. Ich fuhr im kleinsten Gang und hatte trotzdem Angst, dass die Kette reißen könnte. Es erinnerte mich stark an die Härte des Pamir-Gebirges. Nach einigen Kilometern stieß ich endlich auf die Hauptstraße, die zwar länger, dafür aber weniger steil gewesen wäre. Danke, Komoot, für diesen zusätzlichen Adrenalinschub.

Die Landschaft belohnte mich aber: kleine Bergdörfer, saftig grüner Bewuchs, bunte Vögel, Eichhörnchen, Kühe und das durchdringende Zirpen unzähliger Zikaden. Je höher ich kam, desto dichter hingen die Wolken zwischen den Bäumen – fast wie in einem Dschungel.

Nach über fünf Stunden, unzähligen Serpentinen und fast 1.600 Höhenmetern stand ich schließlich erschöpft auf 3.300 m am Pass. Kaum oben, setzte auch wieder Regen ein, und die Abfahrt wurde durch Nässe und Kälte noch anspruchsvoller.

Im nächsten Dorf hielt ich an einem Hotel – leider ein Luxushotel, das stolze 100 € pro Nacht verlangte. Ein völlig utopischer Preis. Auf meine Nachfrage, ob ich wenigstens im Eingangsbereich am Kamin schlafen dürfe, bekam ich ein klares Nein. Stattdessen schickte mich ein Mitarbeiter zu einem kleinen Supermarkt. Der Weg dorthin war holprig, es dämmerte bereits, und mitten in den Wolken wurde es immer ungemütlicher.

Vor Ort hatten die Besitzer, offenbar bewusst ihrer Monopolstellung, den Preis für ein einfaches Bett in einer Abstellkammer erst bei 200 Yuan angesetzt – so viel wie ein gutes Hotelzimmer in einer Stadt. Nach Verhandeln drückte ich den Preis auf 150 Yuan, immer noch zu teuer, aber angesichts von Kälte, Dauerregen und Bärengebiet eine akzeptable Lösung.

Immerhin bekam ich warmen Reis mit Kartoffeln und Fleisch (das Fleisch ließ ich besser stehen) sowie heißen Tee. Am Ofen konnte ich mich aufwärmen, mein Bett wurde frisch bezogen, und draußen prasselte der Regen unaufhörlich nieder. Trotz allem war ich dankbar: besser ein überteuertes, warmes Bett als ein gefährlicher Nachtplatz im Regen.