Zwischen Herbstfarben, dichtem Nebel und einem verregneten Abend am See
Nach einer Nacht, in der ich meine Luftmatratze mehrmals nachpumpen musste, wachte ich am Morgen wieder auf. Da ich den Flicken erst am Vorabend aufgeklebt hatte, musste der Kleber zunächst zwölf Stunden aushärten. Weil ich die Matratze nach einer Stunde bereits wieder gebraucht hatte, konnte ich die Reparatur erst am Morgen in Ruhe angehen. Nun sollte der Kleber während meiner heutigen Etappe in den Fahrradtaschen vollständig trocknen können.
Bei dichtem Nebel suchte ich mir zunächst eine gemütliche Bank, auf der ich mein Frühstück genießen konnte. Wie üblich gab es Brot mit Erdnussbutter und dazu etwas Obst. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen, zog mich warm an und machte mich auf den Weg Richtung Süden.
Der Nebel war anfangs so dicht, dass ich kaum weit sehen konnte. Erst nach ungefähr zwei Stunden kämpfte sich die Sonne langsam durch die dichten Schwaden und brachte nach und nach mehr Licht in die Landschaft. Ich fuhr zunächst am Fraser Lake entlang, dessen ruhige Wasseroberfläche die gegenüberliegenden Berge wunderschön widerspiegelte. Zusammen mit dem bunten Herbstlaub ergab sich eine fantastische Kulisse. Gerade im Herbst hat die Natur hier einen ganz besonderen Zauber.
Nach einigen weiteren Hügeln und Höhenmetern erreichte ich Vanderhoof. Ich fuhr jedoch lediglich durch den Ort hindurch, denn mein Ziel lag noch weiter im Süden. Schon bald warteten die nächsten Anstiege auf mich, die ich mit meinem voll beladenen Fahrrad bewältigen musste.
Obwohl es in dieser Gegend zahlreiche Bäche und Seen gibt, ist es gar nicht so einfach, einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Viele Uferbereiche sind nicht zugänglich oder bieten keine passende Stelle, um mein Zelt aufzubauen. Schließlich entdeckte ich einen wunderschönen kleinen See, an dem ich mein Lager aufschlagen wollte. Dafür musste ich mich zwar an einem geschlossenen Tor vorbeiquetschen, doch die Mühe lohnte sich: Am Ende hatte ich den See ganz für mich allein.
Allerdings hatte das Wetter andere Pläne. Genau in dem Moment, als ich mein Fahrrad abgestellt hatte und gerade mein Zelt aus den Taschen holen wollte, begann es zu regnen. Hätte der Regen nicht wenigstens noch ein paar Minuten warten können? Schließlich musste ich mich mit dem Zeltaufbau beeilen, doch ganz verhindern ließ es sich nicht, dass dabei einiges nass wurde.
Im Zelt angekommen, pumpte ich meine inzwischen reparierte Luftmatratze auf und hängte meine feuchten Kleidungsstücke zum Trocknen beziehungsweise Auslüften auf. Draußen wurde der Regen jedoch immer stärker, während es gleichzeitig zunehmend dunkel wurde.
Irgendwann ließ sich das Abendessen nicht länger aufschieben. Also musste ich noch einmal hinaus in den Regen, um mir meine Pasta zu kochen. Im zunehmenden Dämmerlicht bereitete ich mein Essen zu, während der Regen unaufhörlich weiterprasselte. Unter solchen Bedingungen kann man sich durchaus angenehmere Abende vorstellen!
Anschließend erledigte ich möglichst schnell meine Abendroutine und verkroch mich wieder in meinen Schlafsack. Trotz des ungemütlichen Wetters war ich froh, einen so schönen und abgelegenen Platz gefunden zu haben. Nun hoffte ich nur noch, dass der Regen bald nachlassen würde und ich am nächsten Morgen bei besseren Bedingungen weiterfahren könnte.




